Q&A zur Kernenergie

Wie funktioniert ein KKW?
In Reaktor eines KKW wird durch die kontrollierte Spaltung von Uranatomkernen (Uranisotop U-235) Wärme erzeugt. Sie dient dazu, unter hohem Druck Wasser in Dampf umzuwandeln. Der Dampf wird auf Turbinen geleitet und treibt sie an. Die Turbinen sind mit einem Generator gekoppelt, der die mechanische Energie der Drehung in elektrischen (Strom) umwandelt. Der Dampf wird nach dem Durchlaufen der Turbinen durch einen Kondensator gekühlt und wieder zu Wasser. Der Kondensator wird entweder über eine Durchlaufkühlung mit Flusswasser oder über eine Kreislaufkühlung und mittels eines Kühlturms gekühlt. Dieser Kühlkreislauf ist vom Wasser-Dampf-Kreislauf vollständig getrennt. Die meisten KKW haben Druck- oder Siedewasserreaktoren. Beim Siedewasserreaktor wird das Wasser direkt im Reaktor erhitzt. Beim Druckwasserreaktor ist der Wasser-Dampf-Kreislauf über einen Wärmetauscher mit dem Reaktor verbunden
Wie funktioniert die Kernspaltung?
Urankerne lassen sich mittels thermischer Neutronen spalten: Das sind langsam fliegende Neutronen mit niedriger Energie. Treffen solche Neutronen auf das Uran-235 in den Brennstäben, werden sie von den Kernen geschluckt. Der neue Kern wird dadurch instabil und zerfällt in zwei Teile, sogenannte Spaltprodukte. Dabei werden zwei bis drei schnelle, also energiereiche Neutronen aus dem Atomkern freigesetzt. Werden sie auf die nötige Geschwindigkeit abgebremst, beispielsweise durch Wasser, können sie neue Kernspaltungen auslösen. Die nukleare Kettenreaktion kommt in Gang.
Wie effizient sind KKW?
Bei der Betrachtung der gesamten Produktionskette vom Uranabbau bis zur Entsorgung zeigt sich: Kernkraftwerke sind vergleichsweise energieeffizient. Der gesamte Energieaufwand für ein KKW liegt weit unter zehn Prozent der Menge Strom, die das KKW in seiner Lebensdauer erzeugt. Die Kernenergie liegt damit in der Spitzengruppe der energieeffizienten Stromerzeugungstechnologien, zusammen mit Wasser- und Windkraft, und weit vor der Stromerzeugung mit Solarzellen (Photovoltaik).
Was ist der Wirkungsgrad eines KKW?
Der Wirkungsgrad eines KKW beträgt gegen 33 % (zum Vergleich: Gas-und-Dampf-Kraftwerk 58%, Photovoltaik 20%), da dieser Prozess von der Betriebstemperatur (ca. 280oC) abhängt. Zukünftige Höchsttemperaturreaktoren könnten einen Wirkungsgrad von über 70% haben. Wird Heiz- oder Prozesswärme ausgekoppelt, z.B. für ein Fernwärmesystem, sinkt die Stromproduktion leicht. Der gesamte Wirkungsgrad der Anlage steigt jedoch, weil Wärme genutzt wird, die sonst in die Luft abgegeben würde.
Hat jedes KKW einen Kühlturm?
Manche KKW haben eine Flusswasser-Durchlaufkühlung, und manche kühlen auch mit Meereswasser. Die meisten thermischen Kraftwerke haben jedoch einen Kühlturm, ebenso wie Gas- und Kohlekraftwerke.
Kann man die Abwärme des KKW nicht nutzen?
Ja, sofern sich in zweckmässiger Distanz Abnehmer für die Wärme befinden. Dies zeigt das Beispiel der Refuna, des Fernwärme-Heizsystems des KKW Beznau (www.refuna.ch). Auch das KKW Gösgen liefert Prozesswärme an zwei industrielle Betriebe der Region. Wird Wärme ausgekoppelt, sinkt die Stromproduktion leicht. Der gesamte Wirkungsgrad der Anlage steigt jedoch
Warum stehen alle KKW nahe an der deutschen Landesgrenze?
Die KKW wurden aus sicherheitstechnischen Gründen im Mittelland gebaut: Das Mittelland ist der seismisch am wenigsten aktive Ort der Schweiz. Erdbeben der Stärke 6 bis 7 (wie beim Basler Beben im Jahre 1356) sind hier äusserst selten zu erwarten. Die grossen Flüsse Aare und Rhein stellen zudem die ausreichende Kühlung der Anlagen sicher, auch in sehr heissen Sommern. Dass die Landesgrenzen in der Nähe sind, ist Zufall.
Wie sicher sind die Schweizer KKW?
Die Sicherheit der Schweizer KKW hat höchste Priorität und muss jederzeit gewährleistet sein – sonst darf ein Schweizer KKW gar nicht ans Netz. Die Gesetze, Verordnungen und Betriebsvorschriften sind diesbezüglich sehr strikt. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) befindet im Dezember 2012: «Die Schweizer KKW sind sicher (…), dies dürfen wir nach den umfangreichen Überprüfungen der Schweizer Kernkraftwerke nach Fukushima mit Nachdruck vertreten. Die Sicherheit der Schweizer Kernkraftwerke ist auch im internationalen Vergleich hoch.» In der Schweiz sind bislang auch keine nennenswerten Zwischenfälle passiert.
Wie viel Strom erzeugen die Schweizer KKW?
Die KKW erzeugen zusammen gegen 40 Prozent der Inlandproduktion von rund 60 Terawattstunden (60 000 000 000 Kilowattstunden). Im Winter, wenn die Pegel der Flüsse und Stauseen regelmässig tief und der Strombedarf der Schweiz hoch ist, liefern die KKW oft rund die Hälfte des Schweizer Strombedarfs.
Welches ist das leistungsstärkste KKW?
Das leistungsstärkste Schweizer KKW ist Leibstadt. Es erzeugt allein ein Sechstel des Schweizer Strombedarfs. Wollte man die Produktion des KKL mit modernsten Windturbinen ersetzen, wären dazu 2500 topmoderne Anlagen an besten Standorten oder 8500 Photovoltaikanlagen der Grösse des Stade de Suisse nötig – wobei die Versorgung im Winter sehr problematisch bliebe.
Warum laufen KKW auch nachts, wenn kaum Strom gebraucht wird?
KKW laufen am besten, wenn sie konstant auf demselben Leistungsniveau produzieren. Sie erzeugen so wertvolle Bandenergie, die rund um die Uhr gebraucht wird. Der Leistungsbedarf der Schweiz liegt auch nachts über dem Pegel, den KKW und Laufkraftwerke sicherstellen.
Warum sind KKW für die Versorgungssicherheit unentbehrlich?
Kernenergie ist die einzige Technologie, die zuverlässig und praktisch emissionsfrei sehr grosse Mengen an bezahlbarer Bandenergie liefern kann. Atomstrom bietet einen hohen Grad an Autonomie in der Stromversorgung. Der Rohstoff hat keinen wesentlichen Einfluss auf die planbaren Gestehungskosten, ist reichlich vorhanden, und durch den geringen Platzbedarf ist die Lagerhaltung einfach – Faktoren der Versorgungssicherheit, die für die Wirtschaft entscheidend sind.
Wie sicher sind die Schweizer KKW?
Die Sicherheit der Schweizer KKW hat höchste Priorität und muss jederzeit gewährleistet sein – sonst darf ein Schweizer KKW gar nicht ans Netz. Die Gesetze, Verordnungen und Betriebsvorschriften sind diesbezüglich sehr strikt. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) befindet im Dezember 2012: «Die Schweizer KKW sind sicher (…), dies dürfen wir nach den umfangreichen Überprüfungen der Schweizer Kernkraftwerke nach Fukushima mit Nachdruck vertreten. Die Sicherheit der Schweizer Kernkraftwerke ist auch im internationalen Vergleich hoch.» In der Schweiz sind bislang auch keine nennenswerten Unfälle passiert – wie bei den allermeisten der rund 440 KKW auf der Welt.
Wie wird die Sicherheit in KKW gewährleistet?
Die Sicherheit wird einerseits von den Betreibern selber gewährleistet: durch robuste Bauweise, zuverlässige Technik, gut geschultes Personal mit einer hohen Sicherheitskultur basierend auf weltweitem Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie durch verantwortungsbewusste Vorsorgementalität und gegenseitige Kontrollen. Ganz wichtig sind auch die konstanten Investitionen in Erneuerungen und technische Verbesserungen der Anlagen. So sind diese stets auf dem Stand der Nachrüstungstechnik. Andererseits gewährleisten die strenge Aufsicht der Schweizer Nuklearsicherheitsbehörde sowie Kontrollen durch internationale Behörden, dass das Sicherheitsniveau sehr hoch ist. Dass dies der Fall ist, bestätigen die EU-Stresstests, denen sich auch die Schweizer KKW im Jahr 2012 unterzogen haben.
Warum haben die Schweizer KKW eine hohe technische Sicherheit?
In den Schweizer KKW sind weltweit bewährte Reaktortypen im Einsatz. Sie sind so konstruiert, dass bei Störfällen genug Zeit für überlegtes Handeln bleibt und selbst im äusserst unwahrscheinlichen Fall einer Kernschmelze kaum Gefahr für die Umwelt bestünde. Wichtige sicherheitstechnische Systeme und Geräte funktionieren unabhängig voneinander, sind mehrfach und in verschiedenen Ausführungen installiert sowie räumlich voneinander getrennt und gut gegen Einwirkung von aussen geschützt (z.B. gebunkerte Notstandssysteme). Teilweise sorgen passive Sicherheitssysteme unabhängig von menschlichem Verhalten dafür, dass keine schweren Unfälle geschehen können. Bei Fehlentwicklungen oder Systemversagen werden automatisch sicherheitsrelevante Vorgänge ausgelöst, die auf physikalischen Grundgesetzen basieren. Zudem investieren die KKW-Betreiber permanent in die Sicherheit, sodass diese stets auf dem Stand der Nachrüsttechnik ist und den internationalen Standards entspricht. Siehe auch http://www.ensi.ch/de/dossiers/gestaffelte-sicherheitsvorsorge/.
Wie sicher ist sicher genug? Wer bestimmt das?
Dass alle Gesetze und Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, stellt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) sicher. Es bestimmt, wann ein KKW sicher genug für den Betrieb ist. Bei Zweifeln an der Sicherheit kann das ENSI jederzeit die befristete Ausserbetriebnahme verfügen oder auch Nachrüstungen vorschreiben. Auch Inspektoren nationaler und internationaler Aufsichtsbehörden haben ständig Zutritt zu allen Bereichen der Anlagen, auch unangemeldet.
Können KKW nach 40 Jahren noch ein hohes Sicherheitsniveau aufweisen?
Die Schweizer KKW haben durch sorgfältige Nachrüstungen nahezu das Sicherheitsniveau von modernen Anlagen erreicht – ein international hervorragender Leistungsausweis. Dass dieses hohe Mass an Sicherheit tatsächlich gegeben ist, prüft das Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI), das bei Zweifeln an der Sicherheit jederzeit Nachrüstungen oder sogar die befristete Ausserbetriebnahme der Anlage verfügen kann, bis allfällige notwendige Nachrüstungen erfolgt sind.
Sind Schweizer KKW bei extremen Naturereignissen sicher?
Die Bauweise der KKW ist äusserst massiv und widersteht Naturkatastrophen ebenso wie terroristischen Angriffen. Mehrere ineinandergeschachtelte Sicherheitsbarrieren, gebunkerte Notstandssysteme und Filtersysteme sorgen dafür, dass die Anlage nicht ausser Kontrolle geraten oder dass keine Radioaktivität austreten kann. Im Nachfeld von Fukushima erbrachten die Schweizer KKW gegenüber dem ENSI den Nachweis, dass sie auch extremen Naturereignissen, wie sie durchschnittlich alle 10 000 Jahre auftreten können, widerstehen.
Sind die Schweizer KKW bei Hochwasser sicher?
Das ENSI bestätigte im Jahr 2011, dass alle schweizerischen Kernkraftwerke auch ein extremes Hochwasser, wie es durchschnittlich alle 10 000 Jahre einmal vorkommen kann, beherrschen. Auch wenn gleichzeitig die externe Stromversorgung ausfällt, können die Anlagen in einen sicheren Zustand überführt werden. Die geltenden Grenzwerte werden von allen Anlagen deutlich eingehalten.
Sind Schweizer KKW auch bei schwersten Erdbeben sicher?
Im Nachfeld von Fukushima erbrachten die Schweizer KKW den Nachweis, dass sie auch einem schweren Erdbeben widerstehen und dass keine Schäden infolge Strahlung für Mensch und Umwelt entstehen. Das ENSI überprüfte die Nachweise und bestätigte die Erdbebensicherheit. Das Erbeben in Japan vom Frühling 2011 erreichte die Stärke 9. Es hatte also einen 1000 Mal höheren Energiegehalt als die stärksten im Schweizer Mittelland möglichen Erdbeben. Siehe auch: www.ensi.ch/de/dossiers/erdbeben/
Sind die Schweizer KKW gegen Terrorismus und Flugzeugabsturz geschützt?
Die Bauweise der KKW ist äusserst massiv und widersteht terroristischen Angriffen. Wie sicher die Kernkraftwerke bei einem Angriff mit grossen Verkehrsflugzeugen wären, überprüften die Schweizer Aufsichtsbehörden nach dem Terrorangriff vom 11. September 2001 in New York. Die Ergebnisse zeigten, dass die jüngeren Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt nahezu einen Vollschutz aufweisen. Aber auch die älteren Anlagen Beznau und Mühleberg sind gut geschützt, vor allem wegen der bereits zuvor nachgerüsteten, speziell gebunkerten Notstandssysteme.
Gab es schon Unfälle in Schweizer Kernkraftwerken?
In den Anfängen der Schweizer Kerntechnik gab es einen Versuchsreaktor in einer Bergkaverne in Lucens. Dort ereignete sich am 21. Januar 1969 ein Unfall. Ein Brennelement überhitzte, schmolz, und es kam zu kleineren Explosionen. Die radiologischen Auswirkungen des Unfalls auf Personal und Umwelt waren vernachlässigbar. Die Anlagen wurden im Anschluss anderen Verwendungszwecken zugeführt, soweit sie von Radioaktivität frei waren oder gereinigt werden konnten. Denn die an ihrem Bau beteiligten Schweizer Firmen hatten schon 1967 auf die Fortführung einer eigenen Kernreaktorentwicklung verzichtet . Ansonsten gab es in der Schweiz bislang keine nennenswerten Störfälle in KKW.
Wie sicher sind die KKW weltweit?
In den weit über 10 000 Betriebsjahren, welche die weltweit gegen 440 KKW mittlerweile am Netz waren, sind zwei Unfälle passiert, bei denen Menschen und Umwelt zu Schaden gekommen sind: Tschernobyl und Fukushima. Tschernobyl war ein militärisch wie zivil genutzter Reaktor, war weder baulich gesichert noch verantwortungsvoll betrieben und ganz anders konstruiert als heutige zivile Anlagen. In Fukushima sind durch den Unfall im KKW keine Opfer zu beklagen, auch wenn die Umwelt betroffen wurde.
Wie hoch ist das Risiko eines schweren Unfalls in einem Schweizer KKW?
Ein Schweizer KKW muss so sicher sein, dass ein Kernschmelzschaden höchstens einmal in 10 000 Jahren eintreten kann. Dieselbe Regel gilt für die Wasserkraft resp. den möglichen Dammbruch grosser Speicherseen. Auch die ältesten Schweizer KKW sind jedoch sicherer als diese gesetzliche Mindestanforderung. Für die neueren Anlagen in Leibstadt und Gösgen liegt die Eintretenswahrscheinlichkeit einer Kernschmelze bei einmal in 100 000 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei auch zu einer grösseren Freisetzung von Radioaktivität kommen könnte, ist mit einmal in einer Million Jahren nochmals geringer. Das Restrisiko ist also minim.
Kann man alle Sicherheitsrisiken eines KKW erkennen und in die Massnahmen zur Störfallbeherrschung einbeziehen?
Die KKW-Betreiber beschäftigen grosse Abteilungen, die sich intensiv der langfristigen Sicherheit und damit der hohen Verfügbarkeit der Anlagen widmen. Grundlegend ist dabei, dass die Kernenergiesicherheits- und Strahlenschutzgesetzgebung eingehalten wird. Nur so kann die Betriebsbewilligung des Kraftwerkes langfristig und ununterbrochen erhalten bleiben. Um Störfälle zu vermeiden und die Sicherheit permanent zu verbessern, arbeiten diese Sicherheitsteams eng mit den Instandhaltungsabteilungen zusammen, analysieren alle betrieblichen Vorkommnisse und setzen Verbesserungsmassnahmen um. Um ihre Betriebsabläufe, Arbeitsmethoden und die Anlagensicherheit weiter zu verbessern, führen die KKW regelmässig Risikoanalysen durch und unterziehen sich freiwillig sogenannten «Peer Reviews» der weltweiten Organisation der Kernkraftwerkbetreiber WANO (World Association of Nuclear Operators). Dabei wird ein Kernkraftwerk von Fachleuten aus anderen Ländern besucht und am weltbesten Standard gemessen. Ihre Beurteilung deckt allfällige Schwachpunkte auf, sodass diese durch entsprechende Massnahmen behoben werden können.
Wenn alte KKW weniger sicher sind als moderne, warum ersetzt man sie nicht durch neue?
Auch wenn neue KKW noch einmal sicherer wären als die dienstältesten Schweizer KKW, so ist der Sicherheitsstandards aller Schweizer KKWs mehr als ausreichend. Ob diese Sicherheit gegeben ist, prüft das ENSI, das bei Zweifeln an der Sicherheit jederzeit Nachrüstungen oder die befristete Ausserbetriebnahme verfügen kann. Da das KKM sowie KKB-1 und 2 in absehbarer Zeit das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreichen, hatten die Kernkraftwerkbetreiber bis 2011 ihren Ersatz durch neue Anlagen geplant. Das hätte die Versorgungssicherheit weiter gewährleistet und zugleich die technische Sicherheit weiter erhöht. Dazu hatten die Betreiber drei Rahmenbewilligungsgesuche beim Bund eingereicht, ganz im Einklang mit der damaligen Schweizer Energiepolitik. Kurz nach Fukushima und vor der abschliessenden Analyse des Unfalls beschlossen Bundesrat und Parlament jedoch, aus der Kernenergie auszusteigen. Trotz den sehr weitreichenden Auswirkungen dieses Entscheides auf die Energieversorgung des Landes konnte sich das Volk bislang nicht an der Urne dazu äussern, ob es diesen Ausstieg mit allen Konsequenzen, die er mit sich bringt, mittragen oder am Bau neuer Kernkraftwerke festhalten will.
Ist der Transport von Uran und radioaktiven Abfall gefährlich?
Frische Brennelemente kann man in normalen Lastwagen und einfachen Kisten transportieren. Sie sind kaum radioaktiv, im Gegensatz zu den ausgedienten Brennelementen. Diese transportiert man in ganz speziellen Transportbehältern, in denen das radioaktive Material in jedem Fall sicher eingeschlossen bleibt. Solche Behälter müssen vom ENSI speziell für den Gebrauch in der Schweiz lizenziert sein. Sie sind äusserst solide gebaut, praktisch ganz aus Stahl, bis zu 150 Tonnen schwer und luftdicht selbst unter sehr hohem Druck. Tatsächlich sind sie so robust, dass sie auch extremen Belastungen standhalten: Kollisionen mit fahrenden Zügen, Erdbeben, Flugzeugabstürzen, Bränden, Explosionen und sogar dem Beschuss mit schwerem Geschütz.
Wie beurteilt man Störfälle in KKW?
Zur Bewertung von Störfällen in KKW wurde die Internationale INES-Skala geschaffen (International Nuclear and Radiological Event Scale). Sie wird weltweit verwendet und umfasst sieben Stufen: Je höher die Stufe, desto schwerwiegender der Vorfall. Stufe 1 beschreibt Abweichungen vom Normalbetrieb, die kein Eingreifen von Sicherheitssystemen erfordern, aber Mängel in der Sicherheitskultur aufzeigen. Stufe 7 beschreibt einen schwerwiegenden Unfall mit weit reichenden Folgen für Gesundheit und Umwelt. Ab Stufe 4 spricht man von einem Unfall, darunter von einem Störfall oder Zwischenfall resp. einer Unregelmässigkeit.
Kann ein Unfall wie in Fukushima bei uns auch passieren?
Die in Fukushima zerstörten Reaktoren gleichen zwar jenem des Schweizer Kernkraftwerks Mühleberg. Im Gegensatz zu den japanischen Anlagen wurden alle Schweizer Kernkraftwerke jedoch stets sicherheitstechnisch nachgerüstet. Deshalb ist ein Unfall wie in Fukushima in der Schweiz sehr unwahrscheinlich. Einerseits können in der Schweiz keine mit Fukushima vergleichbaren Ereignisse auftreten, da hier sehr starke Erdbeben in Kombination mit extremem Hochwasser ausgeschlossen sind. Andererseits verfügen alle heimischen Kernkraftwerke über voneinander unabhängige, gebunkerte Notstandssysteme. Das Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI beantwortet häufige Fragen zum Unfall in Fukushima. http://www.ensi.ch/de/dossiers/fukushima-2/fukushima/
Was bedeutet Fukushima für die Schweizer KKW?
Auf Grundlage der Erfahrungen in Fukushima hat die Schweiz die Sicherheit der eigenen Kernkraftwerke hinsichtlich extremer Naturereignisse und Notstandssysteme umgehend überprüft. Gemäss ENSI sind die Schweizer Kernkraftwerke sicher. Die kontinuierlichen Nachrüstungen sind unabhängig von Fukushima erfolgt. Sicherheitsmargen können aber noch erhöht und kleinere Schwachpunkte nachgebessert werden. Zudem nahmen die Schweizer KKW am EU-Stresstest teil. Auch die europäische Kommission bescheinigte den Schweizer Kernkraftwerken hohe Sicherheitsmargen und ein im europäischen Vergleich gutes Abschneiden.
Nach Fukushima haben viele Länder ihre Kernanlagen und ihre Strompolitik überprüft. Sie kamen zum Schluss, dass es beim Einhalten internationaler Standards aus technischer Sicht keinen Grund gibt, auf Kernenergie und ihre bedeutenden Vorteile zu verzichten. In der Schweiz jedoch war Fukushima der Auslöser für die neue Energiestrategie 2050, die ein Verbot neuer Kernkraftwerke anstrebt. Das Volk konnte sich an der Urne noch nicht zu diesem geplanten Atomausstieg äussern.
Kann ein Unfall wie in Tschernobyl bei uns passieren?
Der Reaktortyp von Tschernobyl unterscheidet sich massgeblich von den Schweizer Reaktoren. RBMK-Reaktoren haben die fatale Eigenschaft, dass sie bei ungenügender Kühlung die Leistung so lange erhöhen, bis sie sich selbst zerstören. Bei den Leichtwasserreaktoren, wie sie in der Schweiz eingesetzt werden, geschieht genau das Gegenteil: Werden sie ungenügend gekühlt, reduzieren sie ihre Leistung, und die Kernspaltung bricht ab. Ein Unfall wie in Tschernobyl ist bei uns aus naturgesetzlichen Gründen nicht möglich. Auch fehlten in Tschernobyl das Reaktordruckgefäss sowie die in westlichen Kernkraftwerken üblichen weiteren Barrieren aus Stahl und Beton. Die Notkühlsysteme wiesen erhebliche Mängel auf. Sicherheitskultur und -standards westlicher Kernkraftwerke sind denjenigen der damaligen UdSSR weit überlegen.
Was ist ein GAU? Was ist ein Supergau?
GAU bedeutet Grösster Anzunehmender Unfall. Damit ist ein Unfall gemeint, der am Limit der Auslegung des Kraftwerks liegt und noch beherrscht werden kann. Ein sogenannt auslegungsüberschreitender Unfall kann von den Sicherheitssystemen nicht mehr beherrscht
werden – so geschehen in Tschernobyl oder Fukushima. Der Supergau ist kein in der Kerntechnik gebräuchlicher Begriff, sondern wird umgangssprachlich für eine Reaktorkatastrophe mit Kernschmelze und Austritt grosser Mengen von Radioaktivität verwendet.
Warum verteilt man Jodtabletten in der Umgebung der KKW?
Entsprechende Stellen beim Bund, bei den Kantonen, Regionen und Gemeinden sowie den Betreibern von Kernanlagen sind für den Notfallschutz verantwortlich. Die Abgabe von Jodtabletten gehört gemäss Notfallschutzverordnung zu den Schutzmassnahmen für die Bevölkerung im Falle eines schweren Unfalls. Denn die Einnahme schützt vor der Einlagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse und damit vor Schilddrüsenkrebs. Die Jodtabletten werden präventiv in den Zonen 1 (Radius 5 km), 2 (Radius 20 km) und ab Herbst 2014 gemäss revidierter Jodtablettenverordnung neu auch in der Zone 3 (Radius 50 km) direkt an die Bevölkerung abgegeben. Diese Feinverteilung in der Zone 3 ist an sich nicht notwendig. Für den äusserst unwahrscheinlichen Fall eines Austritts bedeutender Mengen von Radioaktivität aus einem Schweizer KKW – Auslöser könnte nur ein Extremerdbeben bislang unbekannten Ausmasses sein - wären zentral und sicher gelagerte Tabletten besser erreichbar als unter Trümmern von Privathäusern. Damit wäre auch sichergestellt, dass die Bevölkerung die Tabletten genau nach Anweisung der Behörden verwendet.
Was ist ein Kernmantel und wie gefährlich sind Risse darin?
Der Kernmantel ist ein oben und unten offener Zylinder aus zusammengeschweissten Stahlringen. Er befindet sich im Innern des Reaktordruckbehälters, umhüllt von zahlreichen Sicherheitsbarrieren, und leitet das Wasser im Reaktor so, dass es von unten durch die Brennelemente nach oben fliesst. Er steht nicht unter Druck und hat keine Einschlussfunktion, stabilisiert aber die Kerneinbauten und nimmt in bestimmten Störfällen eine gewisse Rückhaltefunktion des Kühlwassers wahr. Risse im Bereich der Schweissnähte des Kernmantels von Siedewasserreaktoren sind weltweit ein bekanntes Phänomen und gut untersucht. Sie entstehen durch sogenannte Spannungsrisskorrosion - ein Zusammenspiel von Eigenspannungen, Werkstoff und Wasserchemie.
Warum gab es weltweit schon drei Kernschäden, wenn die Wahrscheinlichkeit dafür so tief sein soll?
Relevant ist nicht das Verhältnis von Anzahl Kernschäden zu Anzahl KKW, sondern das Verhältnis der Anzahl Kernschäden zu der Summe der Betriebsjahre aller KKW: Die rund 440 KKW weltweit verzeichnen insgesamt rund 10 000 Betriebsjahre. Dabei gab es drei Kernschäden, zwei davon mit Austritt wesentlicher Mengen von Radioaktivität. Man geht bei diesen Eintretenswahrscheinlichkeiten allerdings nicht von einem willentlichen, fahrlässigen Verstoss gegen die Sicherheitsvorschriften aus, wie es in Tschernobyl der Fall war.
Wie berechnet man die Wahrscheinlichkeit von Unfällen in KKW?
Wahrscheinlichkeiten präzise auf Einzelereignisse zu berechnen, ist bei der Kerntechnik schwer möglich, da keine repräsentative Menge an Unfalldaten vorhanden ist. Deshalb muss die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls mit Probabilistischen Sicherheitsanalysen (PSA) abgeschätzt werden. Mit PSA kann man Unsicherheiten quantifizieren, was ein rationaleres Vorgehen im Sicherheitsmanagement ermöglicht. PSA änderten den Zugang zur Sicherheit technischer Systeme in zwei grundlegenden Aspekten:
– Die Anlage wird als ganzheitliches System bestehend aus Anlagentechnik und Personal analysiert.
– Quantitative Grössen zur Charakterisierung des Risikos werden definiert und berechnet. Im Falle von Kernenergie sind die gebräuchlichsten Grössen die Kernschadenshäufigkeit, die Häufigkeit einer frühzeitigen und grossen Aktivitätsfreisetzung, die Wahrscheinlichkeit für den Tod des Einzelnen (Individualrisiko) oder für eine Anzahl von Todesfällen in der Gesellschaft als Ganzem (Kollektivrisiko).
Wie gut ist die Haftpflicht der KKW?
Die Schweizer Kernkraftwerke gehören zu den am besten versicherten Anlagen der Welt. Das Schweizerische Kernenergiehaftpflichtgesetz (KHG) und die Kernenergiehaftpflichtverordnung schreiben eine strenge Kausalhaftung vor: Bei Schäden haften Inhaber einer Kernanlage grundsätzlich unbegrenzt. Das gilt sowohl für den Betrieb eines Kernkraftwerks als auch für die dazu nötigen Transporte – und unabhängig davon, ob die Inhaber ein Verschulden trifft oder externe Faktoren Ursache waren. Anders als in andern Ländern sind auch Terroranschläge und kriegerische Ereignisse miteingeschlossen. Mit der Totalrevision der Kernenergiehaftpflicht erhöht sich die Deckungs- bzw. Versicherungspflicht für nukleare Schäden von 1 Milliarde Schweizer Franken auf 1,2 Milliarden Euro. Die Revision tritt voraussichtlich 2016 in Kraft.
Sind die Haftpflichtprämien nicht zu tief in Anbetracht der möglichen Schäden?
Bei den Schweizer KKW ist aus technischer Sicht und nach heutigem Kenntnisstand nicht davon auszugehen, dass Ereignisse mit Haftpflichtschäden von mehr als einer Milliarde Franken eintreten. Zum Vergleich: Beim Ereignis von Three Mile Island (Harrisburg-USA) entstand ein Haftpflichtschaden von weniger als zehn Millionen Franken (v.a. Evakuationskosten und Ausfallentschädigungen). Eine Erhöhung der Prämien würde der Bevölkerung – den Eigentümern der KKW, die fast vollständig in öffentlicher Hand sind – keinen Zusatznutzen bringen. Für sich spricht auch die Tatsache, dass die privaten Versicherer nach wie vor bereit sind, die Anlagen zu vergleichbar angemessenen Prämien gegen Sach- und Maschinenschäden (inklusive z.B. Erdbebenschäden) zu versichern.
Subventioniert der Staat die Haftpflichtprämien der KKW?
Die Betreiber der KKW bezahlen sämtliche Prämien selber: jene der privaten Haftpflicht, aber auch jene Prämien, die der Bund in den staatlichen Nuklearschadensfonds einbezahlt. Aus diesem Fonds würden im Schadensfalle zusätzliche Gelder als «staatliche Solidarhaftung» gemäss Pariser Abkommen ausbezahlt.
Müsste der Staat bei einem KKW-Unfall zahlen, so wie in Japan?
Bei den Schweizer KKW ist aus technischer Sicht und nach heutigem Kenntnisstand nicht davon auszugehen, dass Ereignisse eintreten, die zu Haftpflichtschäden von mehr als eine Milliarde
Franken. führen können. Im äusserst unwahrscheinlichen Fall höherer Schäden wären insgesamt 1,8 Milliarden Franken an Schadenskosten durch Versicherungen gedeckt. Da die Betreiber auch für darüber hinaus gehende Schäden unbegrenzt haften, müsste der Staat erst bei extremen Ereignissen und nach dem Konkurs aller KKW-Betreiber Kosten übernehmen.
Wem gehören die KKW?
Die Schweizer Kernkraftwerke gehören vollständig oder mehrheitlich der öffentlichen Hand, das heisst dem Volk. Denn die Kantone halten die meisten bis sämtliche Anteile an den grossen Schweizer Energieversorgungsunternehmen, denen die Schweizer Kernkraftwerke gehören. Die Besitzerkantone beziehen deshalb Strom zu Tiefstpreisen aus den KKW, und der grösste Teil der Gewinne aus dem Betrieb fliesst in ihre Kasse. Vom erfolgreichen Betrieb der Kernkraftwerke profitiert so die ganze Gesellschaft.
Wie viele Mitarbeiter hat ein KKW?
Ein KKW hat rund zwischen 450 und 550 Mitarbeitern. In der Jahreshauptrevision sind jedes Jahr bis gegen 1400 weitere Arbeitnehmer über Wochen in den KKW beschäftigt. Zudem profitieren zahllose Zulieferbetriebe in der nahen und weiteren Umgebung von den KKW – von KMU bis zur grösseren Maschinenindustrie.
Finden die KKW noch genügend Mitarbeiter?
Bis anhin haben die KKW stets genügend qualifizierte Arbeitnehmer gefunden. Insbesondere die jüngeren Anlagen Gösgen und Leibstadt haben keinen Mangel an interessierten Arbeitnehmern. Im Gegenteil: Die Bewerber sind heute besser informiert, entschlossen kernenergiefreundlich und kennen die politisch-gesellschaftlichen Kontroversen rund um die Kernenergie. Zudem erhalten die Schweizer Kernkraftwerke vermehrt Spontanbewerbungen von Interessenten aus Deutschland. Dort haben viele hoch qualifizierte Fachleute durch die Energiewende ihren Arbeitsplatz verloren. Ein KKW ist ein spannender und sicherer Arbeitsplatz, der viele Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Dies durchaus noch für Jahrzehnte, über die die heutigen KKW weiter betrieben werden können, aber auch in der Nachbetriebsphase. Denn auch diese erfordert viel Personal.
Wie viele Arbeitsplätze schaffen KKW?
Mit ihren Aufträgen sichern die KKW sehr viele Arbeitsplätze in der Schweiz. Das Branchenspektrum der Zulieferer reicht von Lieferanten technischer Komponenten und Dienstleistungen über Ingenieurunternehmen bis hin zu Bauunternehmen und Gewerbebetrieben wie Schreinereien, Sanitärinstallateuren, Druckereien und Reinigungsinstituten. Und mit ihrer zuverlässigen und preiswerten Stromproduktion sichern Kernkraftwerke Abertausende von Arbeitsplätzen in allen Wirtschaftszweigen der Schweiz. Eine Studie von Basel Economics im Auftrag des Kantons Bern geht von bis zu 350 direkten, indirekten und induzierten Arbeitsplätzen pro Terawattstunde Atomstrom aus. Für alle KKW wären dies gegen 10 000 Arbeitsplätze. Die KKW beschäftigen zudem die Nagra, das Zwilag und das ENSI sowie weiteres Personal beim Bund, in Kommissionen und bei den Stromversorgern.
Wie lange kann ein KKW betrieben werden?
Ein KKW kann am Netz bleiben, solange der sichere Betrieb gewährleistet ist. Wie sicher sicher genug ist, das entscheidet das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI). Alle KKW werden kontinuierlich bezüglich Sicherheitstechnik modernisiert. Das ist ein bewährtes System, das zu einem robusten und dem Stand der Technik entsprechenden Kraftwerksdesign geführt hat. Dies bestätigen auch die positiven Resultate der EU-Stresstests. Auch die dienstältesten Schweizer Kernkraftwerke erfüllen heute nicht nur die internationalen Vorschriften, sondern übertreffen diese sogar in vielen Fällen. Bei ernsthaften Zweifeln an der Sicherheit einer Anlage kann das ENSI jederzeit Nachrüstungen vorschreiben oder die befristete Ausserbetriebnahme verfügen.
Wer entscheidet, wann ein KKW abgeschaltet wird?
Die Sicherheit der Anlagen ist das primäre Kriterium für den Betrieb. Werden die für den Erhalt der Sicherheit nötigen Investitionen resp. Nachrüstungen so hoch, dass kein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage mehr realistisch ist, liegt es nahe, sie ausser Betrieb zu nehmen. Letztlich ist es also ein unternehmerischer Entscheid der KKW-Betreiber, wann eine Anlage definitiv ausser Betrieb genommen wird.
Wie lange kann man ein KKW nachrüsten, bis es zu alt für den Betrieb wird?
Die Sicherheit der Anlagen ist das primäre Kriterium für den Betrieb. Aus sicherheitstechnischer Sicht gibt es grundsätzlich kaum eine Beschränkung für den Betrieb der Anlage, da praktisch alles erneuert, getauscht, verbessert und ersetzt werden kann. Allein das Reaktordruckgefäss hat einen gewissen Einfluss auf die Lebensdauer der Anlage, da es nicht ersetzt werden kann. Ein gut gewartetes KKW kann aber sicher 60 Jahre und länger laufen. Werden die für den Erhalt der Sicherheit nötigen Investitionen resp. Nachrüstungen so hoch, dass kein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage mehr realistisch ist, liegt es nahe, sie ausser Betrieb zu nehmen.
KKM und KKB wurden für 40 Jahre Betrieb konzipiert – müssten sie nicht vom Netz?
Die drei KKW Mühleberg und Beznau gehören zwar zu den ältesten KKW der Welt. Doch die Betreiber haben über die rund 40 Jahre ihres Betriebes sehr viel und permanent in Modernisierungen investiert, sodass die Anlagen heute auf dem Stand der Nachrüsttechnik sind. Im Nachfeld von Fukushima verlangte die Nuklearsicherheitsbehörde vertiefte Sicherheitsnachweise von allen Schweizer KKW. Nach deren Überprüfung befand das ENSI, dass auch das KKB und das KKM sicher sind, selbst wenn die Sicherheitsmargen in manchen Punkten noch erhöht werden können. Spezifische Nachrüstungen wurden deshalb bereits getätigt. Das sehr gute Abschneiden aller Schweizer KKW im EU-Stresstest bestätigte dieses Urteil. Das KKW Mühleberg wird 2019 aus wirtschaftlichen Gründen ausser Betrieb gehen. Die Anlagen von Beznau investieren hingegen 2014 und 2015 in weitere Nachrüstungen und Erneuerungen und bleiben in Betrieb.
Wenn sicherheitsrelevante Komponenten auf 40 Jahre Betrieb ausgelegt sind, warum betreibt man KKW auch länger?
Komponenten wie das Reaktordruckgefäss sind auf MINDESTENS 40 Jahre Betrieb ausgelegt. Das heisst nicht, dass sie dann plötzlich nicht mehr funktionstüchtig sind. Ungeachtet des Alters eines KKW werden alle sicherheitsrelevanten Komponenten jedes Jahr während der Revision genau geprüft. Nur wenn ihre Sicherheit gegeben ist, erteilt das ENSI die erneute Freigabe zum Betrieb. Deshalb kann ein KKW bei konsequenter Nachrüstung und guter Wartung deutlich länger als die genannten 40 Jahre betrieben werden. Die Beschränkung der Betriebszeit auf 40 Jahre kennt man hauptsächlich aus den USA. Die Erstlizenz ist für 40 Jahre limitiert, hauptsächlich aus ökonomischen und kartellrechtlichen und nicht aus nukleartechnischen Überlegungen. Die Betreiber können die Lizenz um 20 Jahre verlängern, wenn sie nachweisen können, dass sie die Sicherheitsanforderungen erfüllen. Von den zurzeit 104 Reaktoren der USA haben 73 diesen Lizenzerneuerungsprozess bereits durchlaufen, für 13 weitere ist er im Gang. Diese KKW sind, wie die Schweizer KKW, sehr gut gepflegte Anlagen. Heute rechnet man in den USA wie in der Schweiz mit Laufzeiten von mindestens 50 bis über 60 Jahren.
Warum wollen die KKW-Betreiber die Laufzeit der KKW nicht festlegen?
Der sichere Betrieb der KKW ist der ausschlaggebende Faktor für den Betrieb und die Laufzeit der KKW. Deshalb werden sie konsequent nachgerüstet und auf dem Stand der Technik gehalten. Dieses System hat sich bewährt: Die Schweizer KKW gehören zu den sichersten der Welt. Eine Laufzeitbegrenzung würde deshalb auch keinen Sicherheitsgewinn bringen. Hingegen würde eine politisch motivierte Befristung gegen Treu und Glauben verstossen und wäre volkswirtschaftlich falsch; bestehende Investitionen würden nicht genutzt. Die KKW sind grösstenteils im Besitz der öffentlichen Hand; eine politische motivierte Stilllegung würde ohne Not Volksvermögen zerstören. Hinzu kommt, dass die Stromkonzerne beim Umsetzen der Energiestrategie 2050 auf die bewährten KKW angewiesen sind. Denn mit diesen erwirtschaften sie wesentliche Mittel für die Erneuerung des bestehenden Kraftwerkparks (z.B. Wasserkraft) und Investitionen in neue erneuerbare Energien. Es wird noch lange dauern, bis die Schweiz den Stromverbrauch senken kann, sofern dies sozial und wirtschaftlich verträglich geschehen soll. Rein erneuerbare Energien können die Kernenergie auf absehbare Zeit nicht ersetzen.
Warum wollen die KKW-Betreiber bei einer Laufzeitbegrenzung Schadenersatz fordern?
Wären KKW-Betreiber aus willkürlichen politischen Gründen gezwungen, Anlagen vorzeitig stillzulegen, müssten sie der Eidgenossenschaft tatsächlich Rechnung stellen. Denn die Unternehmen – und mit ihnen die Aktionäre, also Kantone, Pensionskassen, Fonds etc. – haben Anspruch auf eine Entschädigung für die Restwerte nicht abgeschriebener Investitionen sowie für die entgangenen Gewinne.
Was kostet Atomstrom?
Atomstrom ab KKW kostet heute zwischen fünf und sechs Rappen pro Kilowattstunde, inkl. der Kosten für Stilllegung und Entsorgung. Zum Vergleich die Gestehungskosten anderer Technologien: bestehende Grosswasserkraft 5-9 Rp./kWh., Kleinwasserkraft 8-35 Rp./kWh, Windenergie 14–22 Rp., Photovoltaik 17–21 Rp., Erdgas (Gas-und-Dampf-Kraftwerk) ca. 10-15 Rp./kWh (Zahlen VSE 2016)
Was ist in den Atomstromkosten alles enthalten?
Der Preis von Atomstrom umfasst nicht nur die reinen Gestehungskosten, sondern auch die Kosten für den Nachbetrieb und die Stilllegung des Kraftwerkes sowie für die Entsorgung sämtlicher Abfälle – einschliesslich der Kosten des Baus und Betriebes des geologischen Tiefenlagers bis zu seinem definitiven Verschluss. Dafür wird getreu dem Verursacherprinzip rund ein Rappen pro Kilowattstunde verrechnet. Zirka die Hälfte der Gestehungskosten fällt auf den Betrieb des KKW. Die Brennstoffkosten inklusive Brennelementfertigung betragen gut 13 Prozent. Der reine Rohstoff macht nur rund fünf Prozent der Gesamtkosten aus.
Werden KKW nicht versteckt subventioniert?
Kernenergie ist eine bezahlbare Technologie, die sich konsequent nach dem Verursacherprinzip rechnet. Die Gestehungskosten von Atomstrom sind im Vergleich zu anderen Arten der Energieerzeugung sehr tief und umfassen sämtliche Kosten, einschliesslich der Versicherungen, der Entsorgung der radioaktiven Abfälle und des späteren Rückbaus der Anlagen. Selbst für die Anschubfinanzierung (Forschung) hat der Bund in der Vergangenheit deutlich weniger ausgegeben als heute bereits für die Anschubfinanzierung der neuen erneuerbaren Technologien. Von Subventionierung kann keine Rede sein.
Sind Kernkraftwerke überhaupt noch wirtschaftlich?
Kernkraftwerke haben in den letzten 30 bis 45 Jahren stets stattliche Gewinne erzeugt, von denen ihre Besitzer (zu 85% die öffentliche Hand) über Dividenden und die Standortkantone und -gemeinden über Steuereinnahmen profitiert haben. Das hat sich nun geändert, weil aktuell der Strommarkt stark verzerrt ist. Grund dafür ist ein Stromüberangebot in Europa, das einen enormen Strompreissturz verursachte. Es entstand durch Billigstpreise für Kohle, die hohe Subventionierung und Einspeisung von zunehmend grossen Mengen an Wind- und Sonnenstrom durch Deutschland – auch wenn dieser Strom oft gar nicht benötigt wird – sowie durch die Wirtschaftsflaute in Europa. Deshalb ist aktuell keine Stromerzeugungstechnologie mehr wirtschaftlich – sei das nun Wasserkraft oder Kernenergie. Sonnen- und Windenergie sind ohnehin nicht marktfähig und auf Subventionen angewiesen. Kernenergie ist zwar zumeist noch die günstigste Stromtechnologie, aber auch sie kann ihre Produktionskosten heute nicht mehr ganz decken.
Sind neue KKW nicht auch teurer, etwa wie die erneuerbaren Energien?
Für neue Kernkraftwerke, wie sie sich heute im Bau befinden, rechnen Fachleute mit Produktionskosten von sechs bis acht Rappen pro Kilowattstunde – vorausgesetzt, die gesellschaftlichen und gesetzlich-regulatorischen Rahmenbedingungen sind stabil und klar. Das ist immer noch vergleichsweise günstig. Andere Neuanlagen sind mindestens so teuer (Windenergie, Wasserkraft, Photovoltaik usw.) Erste Kernkraftwerke einer neuen Generation, wie beispielsweise der im finnischen Olkiluoto im Bau befindliche EPR, werden zunächst höhere Produktionskosten haben. Mit der steigenden Anzahl der Neubauten sinkt der Preis aber wieder.
Warum schaltet man KKW nicht ab, wenn Atomstrom zu teurer geworden ist?
Diese Frage liesse sich auch bezüglich den anderen Arten der Stromproduktion stellen – gegenwärtig ist keine Art der Stromerzeugung wirtschaftlich. Zudem: Ein KKW ist eine sehr grosse und ebenso langfristige Investition. Wie bei jeder solchen Investition kann man nicht davon ausgehen, dass ein Profit über Jahrzehnte immer garantiert ist. Jetzt liegt der Preis von Atomstrom gerade über dem gehandelten Marktpreis. Es ist aber gut möglich, dass der Marktpreis in einigen Jahren wieder steigen wird – und damit auch die Wirtschaftlichkeit der KKW. Solange mit Atomstrom noch ein Deckungsbeitrag an die Produktionskosten erwirtschaftet werden kann, macht der Weiterbetrieb Sinn. Zudem fallen bei einem abgeschalteten Kernkraftwerk ebenfalls Kosten an. Ein grosser Teil des Personals bleibt bestehen bis zu einer allfälligen definitiven Stilllegung oder der Wiederinbetriebnahme. Unter den aktuellen Bedingungen ist es wirtschaftlicher, die KKW weiter laufen zu lassen, als gar keinen Strom zu erzeugen und damit auch gar keine Einnahmen zu erzeugen.
Gibt ein KKW Radioaktivität in die Umwelt ab? Wie viel?
Die Strahlung im Umfeld eines KKW liegt weit innerhalb der Bandbreiten natürlicher Strahlung aus Erde und Kosmos. Diese variiert innerhalb der Schweiz erheblich, je nach Radioaktivität der Gesteine im Boden und der kosmischen Strahlung, die mit zunehmender Höhe steigt. Die durchschnittliche Strahlung, die jeder Einwohner so pro Jahr aufnimmt (inkl. Dosis aus Medizin), beträgt in der Schweiz 5,64 Millisievert (mSv) – eher wenig im internationalen Vergleich. Würde jemand in unmittelbarer Nähe eines Schweizer KKW wohnen – was nirgends der Fall ist – erhielte er zusätzlich höchstens ein Hundertstel Millisievert (0.01 mSv) pro Jahr, also ein Fünfhundertstel der durchschnittlichen natürlichen Strahlung (Daten Bundesamt für Gesundheit BAG). Wer im Engadin wohnt, ist schon von Natur aus einer deutlich höheren Strahlenbelastung ausgesetzt.
Wer kontrolliert und misst die Strahlung eines KKW?
Die gesetzlichen Vorschriften betreffend Strahlenschutz sind sehr rigide und werden peinlich genau befolgt. Die Aufsichtsbehörde ENSI misst die Strahlungswerte laufend mittels der 57 Stationen des MADUK-Messnetzes (Messnetz zur automatischen Dosisleistungsüberwachung in der Umgebung der Kernkraftwerke), überprüft die Einhaltung der Grenzwerte und publiziert die Daten auf ihrer Website. Zudem betreibt die Nationale Alarmzentrale NAZ ein eigenes Radioaktivitäts-Messnetz, das sogenannte NADAM-Messnetz. 66 in der ganzen Schweiz verteilte Sonden übermitteln alle zehn Minuten den aktuellen Messwert an die NAZ. Bei Überschreiten einer bestimmten Schwelle (1 Mikro-Sv/h) wird automatisch bei der NAZ Alarm ausgelöst.
Gibt es einen Unterschied zwischen der natürlichen Radioaktivität und der im KKW?
Nein. Die im KKW «künstlich» durch die kontrollierte Kernspaltung erzeugte Radioaktivität unterscheidet sich nicht von natürlicher Radioaktivität.
Ist der Dampf, der aus dem Kühlturm steigt, radioaktiv?
Nein. Ob Siedewasser- oder Druckwasserreaktor, der Kühlkreislauf der KKW ist immer vom nuklearen Teil der Anlage getrennt. Was aus dem Kühlturm steigt, ist reiner Wasserdampf.
Wird das Kühlwasser aus den Flüssen radioaktiv?
Nein. Manche Abwässer der KKW, die je nach Anlage leicht radioaktiv sein können (z.B. aus Wäscherei und Labors), werden speziell behandelt. In die Umwelt abgegeben wird nur gereinigtes und geprüftes Wasser.
Wie wird die Umwelt vor Radioaktivität geschützt?
Um Mensch und Natur zuverlässig vor Radioaktivität zu schützen, werden KKW nach dem «Matrioschka-Prinzip» gebaut. Wie bei den russischen Holzpuppen schliessen mehrere ineinandergeschachtelte Behälter den Reaktor sicher ein. Die äusserste Hülle, das Reaktorgebäude aus meterdickem Beton, schirmt die Umwelt vor Radioaktivität ab und schützt die Anlage zugleich gegen Einwirkungen von aussen. Darunter liegt das sogenannte Containment aus massivem Stahl. Es schliesst das Reaktordruckgefäss vollständig und luftdicht ein, welches wiederum den Reaktor einschliesst. Bei einem Leck sorgen diese mehrfachen Barrieren weiterhin für Sicherheit. Damit gefährliche Mengen an Radioaktivität austreten könnten, müssten gleichzeitig sämtliche Barrieren undicht werden.
Wie werden die Mitarbeiter im KKW vor Strahlung geschützt?
Der Strahlenschutz basiert auf dem «3-A-Prinzip»: Abstand halten, kurze Aufenthaltsdauer und gute Abschirmung. Strahlenquellen werden durch geeignete Materialien abgeschirmt. Hier bietet bereits Wasser einen beachtlichen Schutz. Auch Betonwände, Bleimatten oder dicke Bleiglaswände werden eingesetzt. Arbeiten im nuklearen Teil des KKW werden gut vorbereitet, bei Bedarf geübt und dann effizient erledigt. Gute Ausbildung, Schutzbekleidung, strenge Hygienevorschriften und – besonders wichtig – das Tragen persönlicher Dosimeter tragen weiter dazu bei, dass Mitarbeiter möglichst wenig Strahlung aufnehmen und die gesetzlichen Grenzwerte zumeist mit grossen Margen eingehalten werden.
Wie wird die Bevölkerung im Notfall vor Strahlung geschützt?
Bei den Schweizer KKW ist aus technischer Sicht und nach heutigem Kenntnisstand nicht davon auszugehen, dass Ereignisse eintreten, bei denen massgeblich Radioaktivität abgegeben wird. Sollte dies wider alle Erwartungen doch geschehen, so sind die Anweisungen des Notfallschutzes zu befolgen. Zu erwarten wäre, dass die Bevölkerung angewiesen wird, in den Häusern zu bleiben und Türen und Fenster zu schliessen, wie zum Beispiel auch bei einem Grossbrand. Auch die Abgabe von Jodtabletten gehört gemäss Notfallschutzverordnung zu den Schutzmassnahmen für die Bevölkerung. Die Jodtabletten werden präventiv an die Bevölkerung abgegeben. Bei radioaktiven Abgaben aus einem KKW schützt die Einnahme vor der Einlagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse.
Wie viel Uran braucht ein KKW im Jahr?
Ein KKW der Grösse desjenigen in Gösgen, das rund ein Sechstel des Schweizer Strombedarfs liefert, braucht jedes Jahr rund 20 Tonnen angereichertes Uran, das man aus 200 Tonnen Natururan gewinnt. Das klingt nach viel, ist aber sehr wenig: Uran ist sehr schwer und braucht daher sehr wenig Platz. Die 20 Tonnen Uran hätten gut in einem Mittelklassekombi Platz. In Brennelemente abgefüllt kann der Brennstoffbedarf für ein Jahr leicht in einer Einzelgarage versorgt werden. Zum Vergleich: Ein modernes Gaskombikraftwerk derselben Leistung braucht dafür über 1 Million Tonnen Erdgas.
Woher kommt der Brennstoff der Schweizer KKW?
Die Schweizer Kernkraftwerke beziehen ihren Kernbrennstoff auf dem Weltmarkt und mehrheitlich aus Russland. Dabei handelt es sich um Uran, das entweder direkt oder über sogenanntes Blending angereichert wird. Beim Blending wird abgereichertes Uran mit stark angereichertem Uran gemischt, um einen für die Nutzung im Kernkraftwerk passenden Anreicherungsgrad zu erreichen (siehe auch www.kernenergie.ch/de/brennstoffkreislauf.html)
Wie teuer ist der Brennstoff?
Der Uranpreis schwankt wie der anderer Rohstoffe auch. Er bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 70 bis gegen 200 Franken pro Kilo auf dem Spotmarkt. Für einen Preis von bis zu 260 Dollar pro Kilo Uran würden sich auch Vorkommen erschliessen lassen, die aufwändiger im Abbau sind. Gemessen an den Gestehungskosten von Atomstrom sind die Brennstoffkosten aber klein. Sie betragen rund 13 Prozent inklusive der Verarbeitung und Brennelementfertigung. Der reine Rohstoff macht nur rund fünf Prozent der Gestehungskosten aus. Dies bietet langfristig stabile und planbare Strompreise, selbst wenn Uran dereinst deutlich teurer würde.
Wie wird Uran gefördert?
Im Bergbau fällt Uran oft als Nebenprodukt bei der Gewinnung anderer Rohstoffe wie Kupfer, Silber, Gold oder Vanadium an. Rund sieben Prozent des Urans werden so gefördert. Weitere 30 Prozent werden im Untertagebau, also in Minen erschlossen, 15 Prozent in Gruben an der Erdoberfläche. Ganze 46 Prozent des Urans werden heute durch sogenannte In-situ-Laugung gewonnen. Dabei löst man mittels einer durch Bohrlöcher gepumpten Flüssigkeit das Uran aus dem umgebenden Gestein heraus.
Belastet die Urangewinnung und -verarbeitung nicht Mensch und Umwelt?
Beim Uranabbau setzen die Minengesellschaften heute alles daran, die Belastungen für Umwelt und Mitarbeiter minim zu halten. Die Minenarbeiter werden speziell geschützt. Dabei kommen Atemschutz, Anzüge und ferngesteuerte Geräte zum Einsatz. Alle Uranminen stehen unter behördlicher Aufsicht. Viele haben inzwischen das Umweltzertifikat nach internationalen Normen erworben (ISO-Norm 14 001). Sie verpflichten sich damit, Mensch und Umwelt vor schädlichen Einflüssen zu schützen und die Naturlandschaft nach Ende des Minenbetriebs wiederherzustellen.
Gibt es noch genug Uran auf der Welt?
Man rechnet heute mit gesicherten Vorräten für bis zu 100 Jahre zum Preis von 130 US-Dollar pro Kilo Natururan. Wie gross die Reichweite tatsächlich ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Ein wichtiger Aspekt ist der Marktpreis. Sobald dieser steigt, lohnt es sich, neue Vorkommnisse zu erschliessen oder alternative Formen der Förderung zu nutzen – wie die Gewinnung von Uran aus Phosphaten oder Meerwasser, zwei Verfahren, die bereits erprobt sind. Unter diesen Bedingungen würden die Vorräte für viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende reichen. Weitere Faktoren sind die technologische Entwicklung der Reaktoren, die eine bessere Ausnützung des Brennstoffs gewährleistet sowie die Wiederaufbereitung, die massgeblich zu einer Ausweitung der Reserven beiträgt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Erschöpfung der Vorräte in absehbarer Zeit nicht zu befürchten ist. Auch ein allfälliger Preisanstieg lässt sich gut verkraften, da die Kosten für Uran lediglich fünf bis zehn Prozent der Stromgestehungskosten bei KKW ausmachen.
Wie klimafreundlich ist Kernenergie?
Beim Betrieb von KKW entsteht praktisch kein CO2. Selbst unter Berücksichtigung der gesamten Gestehungskette (inklusive Bau, Betrieb und Rückbau der Anlage, Förderung der Brennstoffe sowie Entsorgung der Abfälle) verfügt nur Wasserkraft über eine bessere CO2-Bilanz, wie Studien des Paul Scherrer Instituts im Auftrag des BFE bestätigen. Ein Verzicht auf KKW würde also klimapolitisch keinen Sinn ergeben, da sich als Folge die CO2-Bilanz der Schweiz verschlechtern würde, bei einem Ersatz durch fossile Anlagen sogar sehr deutlich.
Sind erneuerbare Energien nicht klimafreundlicher als Kernenergie?
Über die ganze Energiekette gerechnet – d.h. vom Uranabbau bis zur Abfallentsorgung – ist Kernenergie mit 24 Gramm CO2-Aequivalent pro Kilowattstunde Strom eine sehr klimafreundliche Art der Stromerzeugung. Von den erneuerbaren Energiequellen schneidet nur Wasserkraft besser ab als Kernenergie (11–20 g CO2-aeq./kWh). Gleich klimafreundlich wie Atomstrom ist Windstrom. Solarenergie verzeichnet 77 g CO2-aeq./kWh, in etwa wie Strom aus Holzkraftwerken. Ob erneuerbare Energie oder Kernenergie, für das Klima ist nur der Unterschied zur fossilen Energie wichtig: Denn diese verzeichnet Treibhausgasemissionen von 452 g CO2-aeq./kWh (Erdgas, Gas-und Dampf-Kraftwerk) aufwärts bis über 1000 g CO2-aeq./kWh (Kohle).
Wie ökologisch sind KKW?
Kernenergie ist Ökostrom: Ein genauer Blick auf Energie- und Umweltbilanzen zeigt, dass Atomstrom nicht nur klima-, sondern auch umweltschonendend ist. Wasserkraft und Kernenergie sind heute die umweltfreundlichsten, ressourcenschonendsten und energieeffizientesten Arten, um Strom zu erzeugen.
Kann nicht erneuerbarer Atomstrom überhaupt nachhaltig sein?
Nachhaltigkeit beruht auf drei Faktoren: der wirtschaftlichen, der ökologischen und der sozialen Verträglichkeit. Kernenergie erfüllt diese Kriterien weitgehend und ist daher als nachhaltig zu bezeichnen – auch wenn sie nicht erneuerbar ist und radioaktive Abfälle(in überschaubaren Mengen) verursacht. Für die Kernenergie sprechen die hohe Wirtschaftlichkeit, die insgesamt gute Ökobilanz sowie der Fakt, dass sich die Schweizer Bevölkerung an der Urne bisher stets für die Kernenergie ausgesprochen hat.
Wo und wie entstehen radioaktive Abfälle?
Zwei Drittel aller radioaktiven Abfälle entstehen in den Kernkraftwerken. Rund ein Drittel der Abfälle entsteht bei der Anwendung radioaktiver Stoffe in Medizin (z.B. in der Strahlentherapie, beim Röntgen und bei Tomografien), Industrie (z.B. bei Leuchtziffern, Rauchmeldern), Agronomie (bei der Konservierung von Nahrungsmitteln) und Forschung. Alle diese Abfälle müssen dereinst fachgerecht entsorgt werden. Der Bund hat dafür die geologische Tiefenlagerung vorgesehen.
Was ist der radioaktive Abfall der KKW?
Die hoch radioaktiven Abfälle (HAA) aus den KKW setzen sich zusammen aus ausgedienten Brennelementen und dem hochaktiven Abfallglas aus der sogenannten Wiederaufarbeitung (Recycling). Sie enthalten 98,3 Prozent der Radioaktivität aller Abfälle. Zudem entstehen schwach und mittel radioaktive Abfälle (SMA): Sie stammen aus Betrieb (z.B. Putz- und Abdeckungsmaterial, Bekleidung, etc.) und Abbruch der KKW.
Wie viel radioaktive Abfälle gibt es?
Die gesamten Abfallmengen über 50 Jahre Betrieb der Schweizer KKW hinweg (einschliesslich des kompletten Rückbaus) und aus dem Bedarf von Medizin, Industrie und Forschung sind überschaubar. Das Gesamtvolumen aller Abfälle von 100 000 Kubikmetern hätte im historischen Teil der Zürcher Bahnhofshalle Platz. Und ein Würfel von nur 20 Metern Seitenlänge würde sämtliche verglasten hochaktiven Abfälle und alle verbrauchten Brennelemente inklusive des nötigen dickwandigen Verpackungsmaterials fassen.
Wie gefährlich ist der radioaktive Abfall?
Direkt nach der Entnahme aus dem Reaktor sind Brennelemente sehr radioaktiv und insofern durchaus gefährlich. Beim professionellen Umgang mit dem radioaktiven Abfall stellt dieser jedoch keine Gefahr das. Fachgerecht in solide Behälter verpackt, kann der Abfall über lange Zeiten gelagert werden, wie beispielsweise im Zwischenlager in Würenlingen. Dabei klingt die Radioaktivität mit der Zeit auf natürliche Weise ab. Zunächst stark, später über lange Zeit immer weniger. Sind die Abfälle im geologischen Tiefenlager eingelagert, sind sie gar keine Gefahr mehr für Mensch und Natur.
Wie lange strahlt der radioaktive Abfall?
Die schwach- und mittelaktiven Abfälle sind nach 500 Jahren nicht mehr gefährlicher als normaler Phosphatdünger für die Landwirtschaft. Nach rund 30 000 Jahren haben sie die gleiche strahlungsbedingte Giftigkeit (Radiotoxizität) wie Granitgestein. Die hochaktiven Abfälle strahlen nach 1000 Jahren noch etwa fünf Mal stärker als das Uranerz, aus dem das Natururan gewonnen wurde. Nach 200 000 Jahren ist die Radioaktivität auf das Niveau von Natururan abgesunken. Alle radioaktiven Abfälle dürfen aber auch nach diesem Zeitraum nicht in die Nahrung oder Atemwege gelangen – ebenso wenig wie chemische Giftstoffe, beispielsweise Blei und Quecksilber.
Ist die Entsorgung nicht nach wie vor ungelöst? Es gibt doch noch kein Tiefenlager.
Im Jahr 2006 bestätigte der Bundesrat den Entsorgungsnachweis der Nagra: Alle Arten von radioaktiven Abfällen können in einem geologischen Tiefenlager in der Schweiz technisch sicher und dauerhaft entsorgt werden. Wo genau dies geschehen soll, wird die Schweiz bis zirka 2020 anhand des Sachplans geologische Tiefenlager bestimmen. Bei diesem transparenten Verfahren zur Suche des geeigneten Standortes für ein oder zwei Tiefenlager wirken die Öffentlichkeit und alle Interessenvertreter mit. Die technische Machbarkeit der Entsorgung ist somit gelöst. Die praktische Umsetzung ist zurzeit im Gange.
Wie kann der radioaktive Abfall sicher entsorgt werden?
Die sicherste Art der Entsorgung stark radioaktiver Abfälle ist die Aufbewahrung in einem geologischen Tiefenlager. Einige Hundert Meter unter der Erdoberfläche, in einer geologischen Schicht (Opalinuston), die seit Jahrmillionen unverändert ist, ist es gewährleistet, dass die Abfälle solange von der Umwelt ferngehalten werden, bis ihre Radiotoxizität auf ein unbedenkliches, natürliches Mass abgeklungen ist. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat in den letzten 40 Jahren die wissenschaftliche Grundlage dafür gelegt und die geologische Beschaffenheit der Schweiz mit international beispielloser Gründlichkeit untersucht. Technisch gesehen, kann man die Entsorgung in der Schweiz als gelöst bezeichnen. Auch die Finanzierung ist sichergestellt durch zweckgebundene Fonds, welche durch die Verursacher alimentiert werden. Was noch fehlt, ist ein politischer Entscheid. Das Auswahlverfahren für die Standorte, der Sachplan geologische Tiefenlager, ist transparent, breit abgestützt und weitum akzeptiert.
Wie lange muss der radioaktive Abfall eingeschlossen werden?
Die schwach- und mittelaktiven Abfälle sind nach 500 Jahren nicht mehr gefährlicher als normaler Phosphatdünger für die Landwirtschaft. Nach rund 30 000 Jahren haben sie die gleiche strahlungsbedingte Giftigkeit (Radiotoxizität) wie Granitgestein. Die hochaktiven Abfälle strahlen nach 1000 Jahren noch etwa fünf Mal stärker als das Uranerz, aus dem das Natururan gewonnen wurde. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigt die Fachleute die Radioaktivität nicht mehr. Vielmehr tritt die Toxizität des Materials in den Vordergrund – wie bei Sondermüll (Batterien, Chemieabfälle etc.), der ebenso vom Lebensraum des Menschen ferngehalten werden muss. Nach 200 000 Jahren ist die Radioaktivität auf das Niveau von Natururan abgesunken.
Wer garantiert, dass das geologische Tiefenlager sicher ist?
Nach heutigem Wissensstand ist die geologische Tiefenlagerung die einzige Methode, die den hohen Anforderungen an die Langzeitsicherheit entspricht. Entsorgungskonzepte, deren Sicherheit auf ständiger Überwachung durch den Menschen beruht, erfüllen diese Anforderungen nicht. Das Schweizer Parlament hat daher die geologische Tiefenlagerung im Inland für alle Arten von radioaktiven Abfällen im Kernenergiegesetz verbindlich vorgeschrieben.
Ist es nicht unverantwortlich, zukünftige Generationen mit diesem Abfall zu belasten?
Der Abfall stellt keine Belastung für zukünftige Generationen dar, denn er wird tief im Erdboden vor dem Zugriff Unbefugter und dem Geschehen auf der Erdoberfläche sicher geschützt sein.
Gibt es keine Alternativen zum Tiefenlager? Zum Beispiel den Abfall ins Weltall schiessen?
Nein. Selbst wenn das wirtschaftlich realisierbar wäre, wäre der Abschuss einer Rakete mit radioaktivem Abfall an Bord zu gefährlich. Sollte sie verunglücken, könnte der nukleare Fall-out beträchtlich sein. Moderne Reaktoren der vierten Generation könnten allerdings dereinst den radioaktiven Abfall verbrennen und daraus wiederum Energie gewinnen.
Wer bestimmt, wo das geologische Tiefenlager gebaut wird?
Letztlich bestimmt der Bundesrat, wo das geologische Tiefenlager gebaut wird. In die Standortsuche gemäss Sachplanverfahren sind jedoch die Interessenträger der möglichen Standortregionen eingebunden. Die Sicherheit von Mensch und Umwelt hat bei der Standortwahl oberste Priorität. Die Auswirkungen an der Oberfläche, also Aspekte der Raumnutzung, Wirtschaft und Gesellschaft werden bei der Standortsuche auch berücksichtigt.
Wer bezahlt die Nagra?
Die Nagra wird gemäss dem Verursacherprinzip durch die sechs Genossenschafter finanziert: Die Schweizerische Eidgenossenschaft (vertreten durch das Departement des Innern), die BKW FMB Energie AG (Kernkraftwerk Mühleberg), die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG, die Kernkraftwerk Leibstadt AG, die Axpo Power AG, (Kernkraftwerke Beznau I und II), die Alpiq Suisse SA und die Zwischenlager Würenlingen AG, Würenlingen. Die laufenden und zukünftigen Entsorgungskosten für die Abfälle aus den Kernkraftwerken, darunter auch die Arbeiten der Nagra, sind im heutigen Strompreis enthalten.
Wer bezahlt die Entsorgung der radioaktiven Abfälle?
Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist nach dem Verursacherprinzip geregelt. Die laufenden und zukünftigen Entsorgungskosten für die Abfälle aus den Kernkraftwerken sind im heutigen Strompreis enthalten. Für jede Kilowattstunde Kernenergie bezahlt der Konsument rund einen Rappen für die Entsorgung (Stilllegung und Rückbau der Kernkraftwerke, Transporte, Zwischenlagerung und die geologische Tiefenlagerung inklusive der dazu nötigen Untersuchungen).
Reichen die Mittel in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds?
Die Finanzierung der nach der Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke anfallenden Kosten für Stilllegung und Entsorgung ist auf Kurs. Ende 2014 verfügten die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds gemeinsam über Mittel von 6,1 Milliarden Franken – mehr, als zu diesem Zeitpunkt unter Berücksichtigung der verstrichenen Betriebszeit der Kernkraftwerke in den Fonds nötig gewesen wäre.

Können plötzlich ungedeckte Kosten auf die Steuerzahler zukommen?
Die Finanzierung der nach der Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke anfallenden Kosten für Stilllegung und Entsorgung ist auf Kurs. Eine zusätzliche Sicherheit sind die fünfjährlichen Kostenstudien unter Aufsicht des Bundes: Bei Bedarf werden die Beitragszahlungen der KKW-Betreiber angepasst. Sollte in Zukunft ein Betreiber eines Kernkraftwerks zahlungsunfähig werden, haften gemäss Kernenergiegesetz die übrigen Kernkraftwerke entsprechend ihrem Anteil an den Beiträgen und müssten derartige Nachschüsse aus ihren eigenen Mitteln leisten. Sollten sie das nicht können – falls also alle vom Gesetzgeber vorgenommenen Absicherungen versagen sollten –, entscheidet die Bundesversammlung, ob und in welchem Ausmass sich der Bund an den nicht gedeckten Kosten beteiligt. Es gibt also keinen Automatismus zu Lasten der öffentlichen Hand.
Welche Vorteile bietet Kernenergie?
Kernenergie ist ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Stromversorgung. Denn die KKW liefern zuverlässig jederzeit Strom, der bezahlbar ist – zwei wirtschaftliche Standortvorteile für hiesige Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. KKW erzeugen sehr viel Strom, beanspruchen aber nur sehr wenig Fläche. Das ist in einem kleinräumigen Land wichtig. Atomstrom ist zudem sehr emissions- und CO2-arm, auch von der Uranmine bis und mit Entsorgung der Abfälle gerechnet, was Luft und Klima schützt. Uran gibt es auf der ganzen Welt, die Reserven sind gross. Die geringen Mengen, die ein KKW jährlich benötigt, sind leicht zu transportieren und zu lagern, ganz im Gegensatz zu Gas und Öl. Auch dadurch bieten die KKW eine hohe Versorgungssicherheit.
Welche Nachteile hat Kernenergie?
Um ein KKW zu bauen und erfolgreich zu betreiben, sind langfristig stabile politische und ökonomische Rahmenbedingungen nötig, was nicht immer gegeben ist. Ein KKW erfordert hohe Investitionen. Das investierte Kapital amortisiert sich zwar zuverlässig über lange Zeit, doch nur bei langfristiger Planungssicherheit auf der Basis der technischen Sicherheit der Anlagen. Unvermittelte politische Kursänderungen, wie beispielsweise in Deutschland, sind sehr schlecht für die Investoren – im Falle der Schweiz grösstenteils die Kantone und damit die öffentliche Hand resp. das Volk.
KKW erzeugen im Verhältnis zur erzeugten Strommenge zwar sehr geringe Abfälle. Doch diese Abfälle sind nicht unproblematisch. Sie erfordern eine sehr sorgfältige Behandlung und müssen über Jahrhunderte bis Jahrtausende vom Lebensraum des Menschen ferngehalten werden. Zudem sind die Schweizer KKW zwar sicher, wie das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) bestätigt, doch bleibt ein minimes Restrisiko eines schweren Unfalls, bei dem es zur Freisetzung von Radioaktivität kommen könnte. Keine Energietechnologie kommt ohne Risiken und Nebenwirkungen aus. Doch nicht jedermann ist bereit, die radioaktiven Abfälle und das Restrisiko in Kauf zu nehmen.
Ist ein KKW nicht der erste Schritt zur Atombombe?
Kernkraftwerke sind keine Atombomben, auch keine gebändigten. Eine Explosion wie bei einer Atombombe ist in einem KKW aus physikalischen Gründen ausgeschlossen. Es handelt sich um völlig unterschiedliche Technologien, die aber beide auf dem Prinzip der Kernspaltung basieren. Um eine Atombombe zu bauen, braucht es kein KKW. Länder mit Nuklearwaffen, sogenannte Atommächte, produzieren das dafür nötige Material in speziellen militärischen Anlagen, die mit KKWs wenig gemeinsam haben. Der in KKWs verwendete Brennstoff verfügt nur über eine geringe Konzentration von spaltbarem Uran (Uran-235), etwa fünf Prozent: Das ist für Atombomben viel zu niedrig, denn sie benötigen eine Konzentration von nahezu 100 Prozent. Kernbrennstoff kann also ohne intensive Weiterverarbeitung in speziellen Anlagen nicht für Bomben verwendet werden. Auch das Plutonium, das in abgebrannten Brennelementen vorhanden ist, eignet sich kaum zur Herstellung von Atomwaffen. Trotzdem werden die Schweizer KKW von der nationalen (ENSI) und der Internationalen Aufsichtsbehörde (IAEO) aufmerksam überwacht, damit kein Brennstoff entwendet werden kann.
Warum investieren andere Länder noch in Kernenergie, aber die Schweiz nicht?
Auslöser für den Entscheid des Bundesrates, aus der Kernenergie auszusteigen, war Fukushima. Das Risiko eines solchen Unfalls schien zu gross. Allerdings wurde der Ausstiegsentscheid gefällt, bevor die Untersuchungen in Japan zeigten, dass das Unglück durchaus vermeidbar gewesen wäre, hätte es in Japan eine Sicherheitskultur wie in der Schweiz gegeben. Andere Länder hingegen warteten zuerst die Analysen des Unfallhergangs ab und blieben dann bei ihrem Atomprogramm. Einige Länder wie z.B. England investieren erneut in Kernenergie, weil sie den Kampf gegen die Klimaerwärmung und den Ausstieg aus den fossilen Energien für dringender erachten als einen Atomausstieg. Und einige Länder wie z.B. die Vereinigten Arabischen Emirate investieren ganz neu in Kernenergie, weil sie keine Wasserkraft nutzen können und Kernenergie zuverlässige und klimafreundliche Grundlast ist.
Könnten nicht erneuerbare Energien die Kernkraftwerke ersetzen?
Nach dem heutigen Stand der Technik würde dies sehr grosse Eingriffe in die Natur, vermehrte Treibhausgasemissionen und beträchtliche Zusatzkosten bedeuten. Denn um die unregelmässig anfallende Energie aus Wind und Sonne in grossem Umfang nutzen zu können, sind Speichersysteme, ein massiver Ausbau der Stromnetze und Reservekapazitäten für den Winter nötig, zum Beispiel Gaskraftwerke. Diese Massnahmen würden den Strom stark verteuern, was schlecht für die Volkswirtschaft und Konsumenten wäre. Die Wasserkraft kann in der Schweiz kaum noch ausgebaut werden. Aufgrund der Klimaerwärmung ist sogar ein Kapazitätsrückgang zu erwarten. Für Wind- und Sonnenenergie sind die naturgegebenen Bedingungen hierzulande nicht optimal. Auch ist solcher Flatterstrom kein Ersatz für Grundlast, solange wirtschaftliche Speichertechnologien fehlen, die für den ganzen Winter reichen. Die zum Ersatz der KKW nötigen Anlagen würden riesige Flächen beanspruchen, die hierzulande nicht zur Verfügung stehen, anders genutzt oder geschützt werden. Und geothermische Kraftwerke nach den gescheiterten Versuchen in Basel und Zürich noch weit von einer wirtschaftlichen Nutzung entfernt
Können wir nicht auf KKW verzichten, wenn wir konsequent auf Energieeffizienz und modernste Technologien setzen?
Man muss davon ausgehen, dass der Strombedarf weiter steigt, trotz allen Anstrengungen für mehr Energieeffizienz. Die Bevölkerung wächst weiter, ebenso ihre Komfortansprüche und die Zahl der verwendeten Elektrogeräte. Energieeffizienzmassnahmen sind nützlich, werden aber in der Regel überkompensiert: Man hat zwar eine neue Sparlampe, lässt dafür aber das Licht länger brennen, oder man kauft eine neue Tiefkühltruhe, behält aber auch die alte. Kommt hinzu, dass viele der Massnahmen zum Senken des Verbrauchs fossiler Treibstoffe (Benzin, Heizöl etc.) und der CO2-Emissionen einen erhöhten Strombedarf zur Folge haben, wie Elektroautos und Wärmepumpen. Man müsste also nicht nur die heutigen zirka 40 Prozent der Gesamtproduktion ersetzen, sondern auch den in Zukunft zu erwartenden Mehrbedarf an Strom – eine Herkulesaufgabe, die mit Energieeffizienzmassnahmen nicht zu bewältigen ist. Massnahmen, die im Übrigen oftmals hohe private Investitionen erfordern, die nicht jeder problemlos tätigen kann.
Können nicht Anlagen im Ausland, beispielsweise Wind- und Sonnenanlagen, die Schweizer KKW ersetzen?
Anlagen im Ausland könnten einen Teil unseres Strombedarfs liefern. Umfragen zeigen jedoch, dass für die Schweizerinnen und Schweizer die Unabhängigkeit vom Ausland und die Versorgungssicherheit von zentraler Bedeutung sind. So wollen 75 Prozent, dass der Strom auch in Zukunft in der Schweiz produziert werden soll, siehe http://www.swissnuclear.ch/upload/cms/news/CommuniquEckwert2015_DE_final.pdf. Nur wenn der Strom im Inland erzeugt wird, profitiert die Gesellschaft von Arbeitsplätzen und ist die umfassende Sicherung von Qualität und Standards möglich.
Können Gaskraftwerke die Kernenergie ersetzen?
Theoretisch können sie das. Doch was ist damit verbunden? Neun Gaskombikraftwerke zu je 600 Megawatt Leistung wären nötig, um die Produktion der Schweizer KKW zu ersetzen. Das bedeutet an die elf Millionen Tonnen zusätzliches CO2, das die Schweiz zu den bisherigen 50 Millionen Tonnen emittieren würde. Das läuft den Schweizer Klimaschutzzielen direkt zuwider. Dieses CO2 gemäss CO2-Gesetz zu kompensieren, wäre zudem ein kostspieliges Unterfangen. Gasstrom ist ohnehin schon mehr als doppelt so teuer wie Atomstrom, und der Preis ist aufgrund des hohen Rohstoffkostenanteils sehr volatil. Durch die enormen Gasmengen, die zu importieren wären, stiege die Auslandabhängigkeit der Schweiz beträchtlich, und eine praktische Bevorratung wäre kaum möglich.
Ist die Stromproduktion in Grosskraftwerken wie KKW nicht ein Auslaufmodell? Dezentrale erneuerbare Stromproduktion ist doch die Zukunft.
Nein. Die allermeisten Länder setzen auf bewährte Grosskraftwerke, darunter auch viele auf neue KKW. Und dies hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen. Grosskraftwerke sind am effizientesten und damit im Vergleich zu dezentralen Anlagen deutlich kostengünstiger. In Grosskraftwerken, z.B. Kohlekraftwerken, lassen sich Emissionen zudem über effektive und aufwändige Filteranlagen verhindern. In kleineren Anlagen (z.B. einer kleineren WKK-Anlage mit Holz) wird dies relativ teuer. Grosskraftwerke tragen zudem durch ihre Regulierbarkeit zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit bei. Die dezentrale Stromerzeugung, beispielsweise mittels Sonne und Wind, kann durchaus Sinn machen, aber eine grossmassstäbliche nicht ersetzen.
Kann die Kernfusion die KKW bald ersetzen?
Nein. Die Kernfusion ist noch viele Jahrzehnte von einer kommerziellen Nutzung entfernt. Zurzeit wird in Südfrankreich in Cadarache der Internationale Thermonukleare Experimentalreaktor (ITER) gebaut. 34 Nationen sind an diesem Fusionskraftwerk beteiligt, das im November 2020 erstmals Plasma erzeugen soll. Bis 2027 sollen weitere Experimente folgen. Erst dann lässt sich sagen, ob dieses über 13 Milliarden Euro teure Forschungsprojekt ein Erfolg ist oder nicht.
Wie steht die Welt zur Kernenergie?
Kernenergie geniesst weltweit einerseits einen wachsenden Rückhalt. Global gesehen erleben wir derzeit eine Phase der Erneuerung und des Ausbaus nuklearer Anlagen. Das liegt daran, dass viele der bestehenden Kraftwerke in den nächsten Jahrzehnten ersetzt werden müssen, aber auch an dem weltweit stark steigenden Strombedarf, insbesondere in aufstrebenden Schwellenländern wie Indien oder China. Zudem setzen manche Länder wie beispielsweise Grossbritannien bewusst auf Kernenergie, da sie einen bedeutenden Beitrag im Kampf gegen Klimawandel und Treibhauseffekt leisten kann, indem sie vergleichsweise CO2-arm Strom produziert. Da die Reduktion der CO2-Emissionen nach Ansicht der Wissenschaft eines der dringendsten globalen Probleme überhaupt ist, muss in diesem Zusammenhang neben den erneuerbaren Energien auch die Kernenergie stärker berücksichtigt werden.
Andererseits muss sich auch die Kernenergie dem aktuellen Boom in der Förderung billiger fossiler Energien wie Schiefergas und –öl stellen. Die Preise für diese Energieträger sind stark gesunken und beeinträchtigen die Chancen für Kernenergie im Markt, solange der Preis für CO2-Emissions-Zertifikate so tief wie heute bleibt.
Wie sieht die Zukunft der Kernenergie weltweit aus?
Anfang 2013 befanden sich weltweit 64 neue Kernkraftwerke im Bau, und auch in Europa und den USA werden wieder Kernkraftwerke gebaut. Ende 2012 waren in 30 Ländern der Erde 437 Kernkraftwerke in Betrieb. Das sind zwar etwas weniger als in den vergangenen Jahren, da mittlerweile einige kleinere Reaktoren der ersten Generation das Ende ihrer Betriebszeit erreicht haben. Allerdings nahm gleichzeitig die Menge des weltweit nuklear erzeugten Stroms zu, da die neuen Kernkraftwerke deutlich leistungsstärker sind als die stillgelegten. Die vielen Analysen nach Fukushima zeigten: Aus technischer Sicht gibt es keinen Grund, auf Kernenergie und ihre bedeutenden Vorteile zu verzichten. Deshalb setzen fast alle Kernenergienationen ihre zivilen nuklearen Programme fort. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) erwartet eine bedeutende Zunahme der globalen Kernenergienutzung. So sind heute über 160 Kernkraftwerke weltweit in der Projektierungs- oder Bewilligungsphase.
Wie sieht die Zukunft der Kernenergie in der Schweiz aus?
Bund und Parlament hatten im Jahr 2011 den schrittweisen Umbau der Schweizer Energieversorgung bis 2050 und damit den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Im September 2013 verabschiedete der Bundesrat die Botschaft zum ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 und überwies sie dem Parlament zur Beratung. Offen bleibt, ob das Volk sich noch grundlegend zur Energiewende und ihren weitreichenden Auswirkungen für Wirtschaft und Gesellschaft an der Urne wird äussern können.
Steigen noch andere Länder aus der Kernenergie aus?
Fast alle Kernenergienationen setzen nach Fukushima ihre zivilen nuklearen Programme fort. Denn es gibt aus technischer Sicht keinen Grund, auf Kernenergie und ihre Vorteile zu verzichten, wie die vielen Sicherheitsüberprüfungen durch das ENSI und auch die EU-Stresstests gezeigt haben. So sind Anfang 2016 63 Kernkraftwerke weltweit im Bau und über 160 in der Projektierungs- oder Bewilligungsphase. Nur Deutschland hat seinen Ausstieg aus der Kernenergie nach dem Unfall in Fukushima beschleunigt. Und die Schweiz will gemäss der Energiestrategie 2050 auf den Neubau von KKW verzichten. Vereinzelte Länder wie Italien haben beschlossen, auf den Wiedereinstieg in die Kernenergie zu verzichten.
Warum nehmen die KKW-Betreiber-Konzerne die erneuerbaren Energien einfach nicht ernst?
Das tun sie durchaus. Seit Jahren investieren sie in die neuen erneuerbaren Energien. Allein die Axpo plante bereits vor Fukushima, die Produktion bis 2030 auf 2,2 Terawattstunden (von rund 60 TWh gesamter Schweizer Inlanderzeugung) zu steigern. Dieses Ziel wurde 2012 mit 5 TWh mehr als verdoppelt. Auch Alpiq und BKW planen für die Zukunft weitere grosse Investitionen in erneuerbare Energien. Doch das erfordert beträchtliche Mittel und bedingt, dass die KKW noch möglichst lange in Betrieb bleiben. Denn der Ausbau der erneuerbaren Energien braucht noch Jahrzehnte. Ohne die KKW wäre die Versorgungssicherheit vor allem im Winter akut gefährdet.
Was geschieht mit den Gewinnen aus den KKW?
Die KKW-Betreiber sind börsenkotierte Unternehmen mit Aktionären, die eine angemessene Dividende erhalten möchten: zu 85 % sind dies Kantone, Städte und städtische Elektrizitätswerke – also die öffentliche Hand und letztlich das Volk. Aber auch Pensionskassen, Fonds oder Privatpersonen halten private Beteiligungen an KKW. Diese Beteiligungen haben den Besitzern in den vergangenen Jahrzehnten stattliche Erträge sowie den Standortgemeinden und -kantonen beträchtliche Steuereinkünfte verschafft. Sie sind so auch dem Volk zugutegekommen. Die Stromversorger brauchen aber auch Gewinne, um in die Erneuerung des aktuellen Kraftwerkparks sowie in die Energiewende zu investieren: in den Ausbau der erneuerbaren Energien, in Speicherkapazität und intelligente Netze.
Kann die Schweiz in der Zukunft noch KKW bauen?
Gemäss der aktuellen Energiestrategie des Bundes soll die Schweiz keine Rahmenbewilligungen für einen KKW-Neubau mehr erteilen. Das Parlament hat diesen Entscheid getragen, das Volk konnte sich dazu jedoch noch nicht an der Urne äussern. Unabhängig davon machen im aktuell verzerrten Strommarkt mit einem Überangebot von subventioniertem Sonnen- und Windstrom aus Deutschland neue Kernkraftwerke nicht viel Sinn. Grundsätzlich sollte sich aber kein Land Handlungsoptionen für seine Stromversorgung verbauen – insbesondere nicht, wenn es um eine sehr klimaschonende, zuverlässige und bewährte Spitzentechnologie handelt.
Was bedeutet es, wenn die Schweiz keine neuen KKW mehr baut?
Einerseits wird die zuverlässige, ausreichende und klimafreundliche Stromversorgung der Schweiz deutlich erschwert und verteuert. Andererseits geht viel technische Kompetenz und Erfahrung verloren, welche die Schweiz heute im Bereich Kernenergieindustrie und -forschung vorweisen kann. Als Kernenergienation der ersten Stunde betreiben wir diese Spitzentechnologie schon seit über 40 Jahren sicher und zuverlässig. Werden keine neuen KKW mehr gebaut, geht diese Kompetenz rasch verloren, während weltweit ein Trend zu Kernenergie einsetzt und sich andere Länder an der Entwicklung beteiligen. Es wäre umso schwieriger, den Wiedereinstieg in zukünftige Kernenergiesysteme der vierten Generation zu finden.
Soll die Schweiz den Bau neuer KKW gesetzlich verbieten?
Gemäss der aktuellen Energiestrategie des Bundes soll die Schweiz keine Rahmenbewilligungen für einen KKW-Neubau mehr erteilen. Das ist aus gesetzlicher Sicht schlicht unnötig. Es braucht kein solches Verbot. Denn jedes Rahmenbewilligungsgesuch untersteht schon heute dem obligatorischen Referendum. Das Volk kann also ein Gesuch immer ablehnen.
Werden KKW mit zunehmendem Alter immer unsicherer?
Die Schweizer KKW müssen nicht nur jederzeit die Sicherheitsanforderungen erfüllen, sondern diese Anforderungen wurden und werden durch die technische Entwicklung immer strenger. Durch laufende Modernisierungen sind die Schweizer KKW daher immer sicherer geworden. Die Kernkraftwerke Beznau und Mühleberg beispielsweise sind heute 100 Mal (!) sicherer als bei ihrer Inbetriebnahme.