Radioaktive Abfälle entstehen an vielen Orten: vorab in den Kernkraftwerken bzw. Atomkraftwerken, aber zu rund einem Drittel der Gesamtmenge auch bei der Anwendung radioaktiver Stoffe in der Medizin (z.B. in der Strahlentherapie), in der Industrie (z.B. bei Leuchtziffern und Rauchmeldern) und in der Forschung.
Diese Abfälle haben sehr unterschiedliche Eigenschaften bezüglich ihrer Radioaktivität und damit auch ungleiche Gefahrenpotenziale. Ihre Menge ist im Vergleich zu den anderen Sonderabfällen, die wir tagtäglich hinterlassen, gering. Deshalb ist es technisch möglich und wirtschaftlich machbar, diese Abfälle zurückzuhalten, einzuschliessen und für ausreichend lange Zeiträume sicher zu entsorgen.
Geringe Abfallmengen genau bekannter Herkunft
- Bis ins Detail bekannt
- Stark unterschiedliche Radioaktivität
- 500 Gramm pro Kopf in 50 Jahren
- Vergleichsweise geringe Gesamtmengen
- Einschluss bis zum Abklingen der Radioaktivität
Bis ins Detail bekannt
Wenig beachtet von der breiten Öffentlichkeit sind wichtige Aufgaben der Entsorgung bereits gelöst worden. Die heute anfallenden radioaktiven Abfälle werden sorgfältig registriert und in Verzeichnissen festgehalten, so dass genau bekannt ist, wo sich welche Abfälle befinden und welche Abfälle in Zukunft noch entstehen werden.
Die radioaktiven Abfälle werden bereits heute so verarbeitet und zwischengelagert, dass sie später in die Tiefenlager gebracht werden können. Alle diese Arbeiten sind betriebliche Routine. Ebenso ist die Finanzierung der Entsorgung sichergestellt (siehe Randspalte rechts).
Stark unterschiedliche Radioaktivität
Die radioaktiven Abfälle lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen:
- Hochradioaktive Abfälle (HAA): Sie setzen sich zusammen aus ausgedienten Brennelementen und dem hochradioaktiven Abfallglas aus der sogenannten Wiederaufarbeitung (Rezyklierung). Die hochradioaktiven Abfälle enthalten 98,3% der Radioaktivität aller Abfälle.
- Schwach- und mittelradioaktive Abfälle (SMA): Sie stammen aus Betrieb und Abbruch der Kernkraftwerke sowie aus Medizin, Industrie und Forschung. Sie enthalten nur 1,6% der Radioaktivität aller Abfälle.
Dazu kommt noch eine geringe Menge von Alphatoxischen Abfällen (ATA). Das sind radioaktive Abfälle mit einem hohen Gehalt an sogenannten Alphastrahlern, also an Stoffen, die beim radioaktiven Zerfall Alpha-Strahlung aussenden. Die ATA stammen. vor allem aus der Wiederaufarbeitung der ausgedienten Brennelemente und enthalten nur gerade 0,1% der Radioaktivität aller Abfälle.
Zur Entsorgung dieser Abfälle werden zwei geologische Tiefenlager geplant: eines für hochradioaktive und alphatoxische Abfälle sowie eines für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle.
500 Gramm pro Kopf in 50 Jahren
Im Gegensatz zu vielen anderen industriellen Tätigkeiten fallen bei der Kernenergie bzw. Atomenergie die Abfälle kontrolliert und in fester und konzentrierter Form an. Bei 50 Jahren Strom aus Kernenergie in der Schweiz beträgt der Kernbrennstoffverbrauch pro Kopf ungefähr 500 Gramm und entspricht einer Kugel von 4,7 Zentimetern Durchmesser. In diesem Material steckt fast die gesamte Radioaktivität.
Vergleichsweise geringe Gesamtmengen
In der nachfolgenden Tabelle sind die gesamten Abfallvolumen zusammengestellt, die sich gemäss den Berechnungen der Nagra aus 50 Jahren Betrieb der Schweizer Kernkraftwerke (einschliesslich des kompleten Rückbaus der Werke) sowie aus Medizin, Industrie und Forschung ergeben.
| Ausgediente Brennelement und verglaste hochradioaktive Abfälle: | 7'300 Kubikmeter |
| Schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem Betrieb und dem Abbruch bzw. Rückbau der fünf Schweizer Kernkraftwerke: | 60'000 Kubikmeter |
| Schwach und mittelradioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung (für den Zeitraum bis zum Betriebsende der heute ge- planten Tiefenlager) | 33'000 Kubikmeter |
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| Total | ca. 100'000 Kubikmeter |
Diese Volumen umfassen neben den eigentlichen Abfällen auch deren Verpackung. Ausgediente Brennelemente und hochradioaktive Abfälle werden in dickwandigen Sicherheitsbehälter aus Gussstahl eingeschweisst, die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle werden in speziellen Zement oder glasartiges Material eingegossen. Sämtliche radioaktiven Abfälle werden als Feststoffe ins Tiefenlager verbracht. Fässer mit Flüssigkeiten, die auslaufen könnten, gibt es nicht.
Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle benötigen keine Abkühlungszeit. Sie können jederzeit in ein Endlager verbracht werden. In einigen Ländern (z.B. Schweden, Finnland und Frankreich) sind solche Lager schon seit vielen Jahren in Betrieb.
Einschluss bis zum Abklingen der Radioaktivität
Die Menge der radioaktiven Abfälle fällt gegenüber anderen Sonderabfällen wie Chemikalien, Altöl, Batterien, Medikamenten usw. wenig ins Gewicht. Zudem verlieren sie durch das natürliche Abklingen der Radioaktivität mit der Zeit ihre Gefährlichkeit.
Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle sind bereits nach 500 Jahren nicht mehr gefährlicher als normaler Phosphatdünger für die Landwirtschaft. Die hochradioaktiven Abfälle strahlen nach tausend Jahren nur noch etwa fünfmal stärker als das natürliche Gestein, aus dem das Uran gewonnen wird. Sie dürfen aber auch nach diesem Zeitraum nicht in unsere Nahrung oder Atemwege gelangen – ebenso wenig wie chemische Giftstoffe.
Das Lagerkonzept der Nagra berücksichtigt all dies. In der Schweiz werden alle Arten von radioaktiven Abfällen tief unter dem Erdboden in einer geeignet ausgewählten Geologie gelagert. Sie werden weit über das Abklingen ihrer Radioaktivität hinaus vom Lebensraum der Menschen, Tieren und Pflanzen fern gehalten.
