Zwilag: Das Zwischenlager für radioaktive Abfälle

In der Hightech-Anlage Zwilag werden radioaktive Abfälle aus den AKWs professionell verarbeitet und gelagert.

Radioaktiver Abfall – was geschieht in der Schweiz damit? Anders als man vielleicht vermuten könnte, beschränkt sich die Entsorgung von radioaktiven Abfällen nicht darauf, diese in ein sicheres Tiefenlager im geologischen Untergrund einzubringen. Das ist bloss der Abschluss. Das Tüpfelchen auf dem «i». Vorgelagert ist ein mehrstufiger Entsorgungsprozess: Zusammenführen, Inventarisieren, Verarbeiten der radioaktiven Abfälle und diese für die Tiefenlagerung vorbereiten. Auch verbrauchte Brennelemente und hochradioaktiver Abfall kühlen im Zwilag, einer hochmodernen Anlage in Würenlingen, ab.

Weltweit einmalig: Im Plasmaofen des Zwilags werden radioaktive Abfälle aufgeschmolzen und mit einer Glasmasse vermischt eingegossen.

Wer radioaktiven Abfall verursacht, ist für seine sichere Entsorgung verantwortlich. So verlangt es der Gesetzgeber. Und die Betreiber der fünf Schweizer AKWs sind sich einig: Sie wollen und können ihre Verantwortung wahrnehmen. Eine für Mensch und Umwelt optimale, zukunftsweisende Lösung soll es sein. So beschliessen in den achtziger Jahren die KKW-Betreiber den Bau eines Zwischenlagers. Dort sollen leicht radioaktive Abfälle verarbeitet und in eine endlagerfähige Form gebracht werden.

Wie jede Atomanlage durchläuft auch das Zwilag, wie das Zwischenlager genannt wird, ein komplexes behördliches Bewilligungsverfahren. Auch die Würenlinger Stimmberechtigen befürworten das Projekt. Nach sechs Jahren ist es so weit. Ab 1996 wird gebaut. Dreieinhalb Jahre später ist die Hightech-Entsorgungsanlage fertig. 500 Millionen Franken hat sie gekostet. Das Zwilag nimmt ab 2001 schrittweise seinen Betrieb auf. Und zieht seither Entsorgungsexperten aus der ganzen Welt an.

Das Zwilag: Kurzabriss
Seit in der Schweiz Atomkraftwerke betrieben werden, wird sämtlicher radioaktiver Abfall eingesammelt, inventarisiert und strengstens überwacht. Aufbewahrt wird der Abfall in speziellen Lagerräumen und Behältern in den Kernkraftwerken. Seit 2001 werden verbrauchte Brennelemente und sonstige radioaktive Abfälle sukzessive ins Zwilag in Würenlingen überführt.

Würenlingen ist ein optimaler Standort. Drei der fünf Schweizer Kernkraftwerke liegen im näheren Umkreis: Die Transportwege sind deshalb kurz. Die Abfälle können im Zwilag dank der Kombination von Abfallbehandlungsanlagen und Zwischenlager optimal zusammengeführt, verarbeitet, verpackt und überwacht werden. Das Zwilag umfasst Abfallbehandlungsanlagen, Lagerbauten, Nebenanlagen sowie eine Umladestation Schiene–Strasse. Im Zwilag wird nicht nur radioaktiver Abfall aus den KKWs, sondern auch aus der Medizin, der Industrie und der Forschung verarbeitet.

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Sicherheit zuerst. Verbrauchte Brennelemente geben Strahlung ab. Die Transport- und Lagerbehälter sind so robust gebaut, dass sie Unfälle aller Art unbeschadet überstehen können.

Zukunftsweisend und weltweit einzigartig ist der Plasmaofen des Zwilags: Dort wird leicht radioaktiver Abfall bei hohen Temperaturen zersetzt, aufgeschmolzen und in Glasmasse eingegossen. Die Radioaktivität wird dadurch nicht verringert. Trotzdem lohnt sich der Aufwand: Das Volumen der Abfälle wird kleiner und die Endlagerfähigkeit besser.

Im Zwilag werden nicht nur schwach- und mittelradioaktive Abfälle aufbewahrt. Auch die hochradioaktiven Abfälle und die ausgedienten Brennelemente werden dort gelagert. Sie sind in bis zu 140 Tonnen schweren Stahlbehältern verpackt. Diese dienen gleichzeitig als Transportbehälter. Diese Behälter halten härtesten Belastungen stand. Sie schützen die Abfälle und Brennelemente vor Flugzeugabsturz, Erdbeben, Brand etc. Zum Einsatz kommen von der Behörde lizenzierte Behältertypen. Die Behälter und die Lagerhallen werden dauernd auf ihre Dichtheit kontrolliert und überwacht. Behördlich strengstens überwacht sind auch sämtliche Transporte von radioaktiven Materialien.

Transportbehälter im Härtetest

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Das Zwilag: Zahlen und Fakten
Erbaut: 1996–2000
In Betrieb seit: 2001  

500 Millionen Franken haben der Bau und die Inbetriebnahme des Zwilags gekostet. Woher stammt das Geld dafür? Und wie finanziert sich das Zwilag heute?  

Als einige der wenigen Industriezweige rechnet die Kernenergie-Branche von Anfang an die Kosten für die vollständige Entsorgung ihrer Abfälle in die Gestehungskosten ihres Produktes ein. Das bedeutet: Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist im Strompreis bereits eingerechnet. Die Gestehungskosten für eine Kilowattstunde Atomstrom belaufen sich in der Schweiz auf ca. 5 Rappen. Bereits darin enthalten ist der Entsorgungskosten-Anteil von 1,1 Rappen. Von diesen 1,1 Rappen entfällt knapp ein Fünftel auf die Zwischenlagerung.

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Die Besitzer und Betreiber des Zwilags
Die Zwilag Zwischenlager Würenlingen AG ist eine Aktiengesellschaft und gehört den Schweizer Kernkraftwerk-Betreibergesellschaften. Das Aktienkapital ist proportional zur Leistung der Kernkraftwerke aufgeteilt:

BKW FMB Beteiligungen AG, Bern, 10,7 %; Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG, Däniken, 31,2 %; Kernkraftwerk Leibstadt AG, Leibstadt, 33,8 %; Nordostschweizerische Kraftwerke AG, Baden, 24,3 %

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Ein Besuch im Zwilag
Machen Sie sich selbst ein Bild. Besuchergruppen sind im Zwilag herzlich willkommen. Gruppen (ab 5 Personen), die das Zwilag besichtigen wollen, wenden sich zur Voranmeldung an das Informationszentrum Axporama: Tel. 056 250 00 32 bzw. infozen@nok.ch. Eine Führung dauert ca. 2 Stunden.

Besuchskombinationen mit dem Axporama und dem AKW Beznau sind möglich. 

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Kontakt
Wenn Sie mehr über das Zwilag wissen wollen, wenden Sie sich bitte an Urs Schnetzler: urs.schnetzler@axpo.ch

Mehr über das Zwilag erfahren Sie hier: www.zwilag.ch