Kernenergie schützt das Klima

Von 1900 bis 2000 vervierfachte sich die Weltbevölkerung von 1,6 auf 6,1 Milliarden Menschen. Der globale Primärenergiebedarf stieg dabei jedoch um mehr als das Zehnfache.

Die weltweite Stromproduktion ist mehrheitlich fossil und trägt entscheidend zum Klimawandel bei.

Damit stieg auch der mit dem Verbrennen fossiler Energieträger verbundene Ausstoss von Treibhausgasen rasant an. Dies ist vor allem der Stromerzeugung in Kohle- und Gaskraftwerken zuzuschreiben. Vor dem Hintergrund der Klimaproblematik und des weiter wachsenden Energiebedarfs der Welt suchen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nach Wegen, die weitere Zunahme der Treibhausgasemissionen zu mässigen. Nicht-fossile, klimafreundliche Energietechnologien wie die Kernenergie und erneuerbare Energien sind heute nötiger denn je, um den gefährlichen Temperaturanstieg von Land und Ozeanen zu bremsen.

Die klimaschädigenden Treibhausgasemissionen sind massiv gestiegen.

Wasserkraft und Kernenergie an der Spitze

In der Schweiz erzeugen Wasserkraft, Kern- und Windenergie pro Kilowattstunde die geringsten Mengen an Treibhausgasen. Das belegen Forschungsergebnisse des zum ETH-Bereich gehörenden Paul Scherrer Instituts (PSI). Es berechnet und vergleicht seit Jahren die Umwelt- und Gesundheitsbelastungen der verschiedenen Stromerzeugungstechnologien (siehe Randspalte). Die Wissenschaftler betrachten dabei die gesamte Energiekette «von der Wiege bis zur Bahre» – bei der Kernenergie also von der Uranmine bis zum Bau des Tiefenlagers für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle und zum Rückbau der Kernkraftwerke bis zur grünen Wiese.

Die ganzheitliche Methode des PSI zeigt, wie gering die Treibhausgasemissionen in der nuklearen Kette im Verhältnis zum erzeugten Strom sind. Mit rund 24 Gramm CO2-aequivalent pro Kilowattstunde (inkl. Netzanteil) ist Kernenergie ausgesprochen klimafreundlich.

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Verbesserte CO2-Bilanz

Die CO2-Bilanz der Kernenergie hängt wesentlich davon ab, mit welcher Methode der Brennstoff Uran angereichert wird und woher der Strom dazu stammt. Denn bei der Anreicherung wird am meisten Energie aufgewendet. Details zu den Energieaufwänden in der nuklearen Kette finden Sie hier.

Die Schweizer Kernkraftwerke setzen seit geraumer Zeit Uran ein, das mit modernen Zentrifugen oder über das sogenannte Blending angereichert wurde. Wird der Strom für diese Zentrifugen nuklear oder erneuerbar erzeugt, fällt die CO2-Bilanz besonders positiv aus.  Die sehr tiefen CO2-Emissionen der Kernenergie belegen auch ihre hohe Energieeffizienz. Mehr Informationen zum Thema Energieeffizienz finden Sie hier.

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Grosses Potenzial für die Welt

Allein die Stromproduktion verursacht heute im globalen Durchschnitt 40 Prozent der Treibhausgasemissionen. Sie ist zu einem zentralen Problem der Klimapolitik geworden. Im Vergleich dazu schneidet die Schweizer Stromproduktion dank Wasserkraft und Kernenergie sehr gut ab. Sie ist nur für den geringen Anteil von ein bis zwei Prozent an den gesamten heimischen Treibhausgasemissionen verantwortlich – ein Spitzenwert im globalen Vergleich. Das CO2-Reduktions-Potenzial ist beim Schweizer Verkehr und den Heizungen sehr viel grösser. Sie erzeugen zusammen rund zwei Drittel der Schweizer Emissionen.

Die weltweite Stromproduktion ist mehrheitlich fossil und trägt entscheidend zum Klimawandel bei.

Die Kernenergie deckt rund einen Sechstel des globalen Strombedarfs – fast ebenso viel wie die Wasserkraft. Insgesamt wird also auf der Erde nur rund ein Drittel des Stroms CO2-arm produziert. Die restlichen zwei Drittel des Stroms kommen aus Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken. Der Ausbau klimafreundlicher Kernenergie und erneuerbarer Energien kann deshalb mithelfen, den CO2-Ausstoss spürbar zu vermindern.

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Klimafreundlicher Schweizer Strommix

Anders als andere europäische Länder verfügt die Schweiz – wie das kernenergiefreundliche Frankreich – dank Wasserkraft und Kernenergie schon heute über einen sehr klimafreundlichen Strommix. Würden wir den in der Schweiz erzeugten Atomstrom hingegen in Gaskombikraftwerken erzeugen, würde die Atmosphäre mit so viel CO2 belastet, wie der ganze Autoverkehr in der Schweiz verursacht: über zehn Millionen Tonnen pro Jahr, rund ein Fünftel der heutigen Schweizer Treibhausgasemissionen.

Im kernkraftwerkfreien Österreich wird rund ein Drittel des Stroms aus Kohle, Erdöl und Erdgas erzeugt, in Dänemark sind es mehr als zwei Drittel, in Italien über 80 Prozent und in Polen gar 98 Prozent. Das politisch «grün» orientierte Deutschland erzeugte bis 2011 rund 60 Prozent des Stroms fossil. Dieser Wert ist nach der vorzeitigen Ausserbetriebnahme mehrerer Kernkraftwerke im Nachfeld des Unfalls in Fukushima gestiegen, mitsamt den CO2-Emissionen (plus 1,5% im Jahr 2012, für 2013 werden ähnliche Zahlen erwartet). Denn die fehlende Produktion wurde grösstenteils mit Strom aus Kohlekraftwerken ersetzt. Die Kohle dafür wird zum Teil sogar aus den USA importiert.

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Eine Tonne Kohlendioxid pro Kopf

Der Klimaschutz hat auch in der Vision des ETH-Rates Priorität. Er empfiehlt, Erdöl und Erdgas durch erneuerbare Energien und Kernenergie zu ersetzen. Und die ETH Zürich formuliert in ihrer im Februar 2008 publizierten Energiestrategie das Ziel, den CO2-Ausstoss auf eine Tonne pro Kopf und Jahr zu reduzieren. Die Wissenschaftler setzen dabei auf eine weitere Elektrifizierung der Schweiz, um den Verbrauch von Erdöl und Erdgas ohne Wohlstandsverluste drastisch senken zu können. Dazu ist unter anderem der Einsatz der Kernenergie erforderlich. Für eine Kurzfassung der Empfehlungen des ETH-Rates klicken Sie bitte hier.

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Klimaziele in Gefahr

Die mittlere Temperatur der Schweiz ist seit Beginn der Industrialisierung um ein Drittel mehr gestiegen als auf den Landoberflächen der Nordhalbkugel. Der Klimawandel wirkt sich hierzulande stärker aus als im globalen Durchschnitt. Die Treibhausgasreduktion liegt deshalb in unserem besonderen Interesse. Die Schweiz tut sich jedoch jetzt schon schwer, ihre im CO2-Gesetz und über internationale Vereinbarungen definierten Reduktionsziele zu erreichen – trotz der im Jahr 2005 beschlossenen CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe sowie der Einführung eines freiwilligen Klimarappens auf Benzin und Diesel. 

Denn Ende 2012, nach Abschluss der ersten Phase des Kyoto-Protokolls, zeigte sich: Nur mit dem Zukauf grosser Mengen an Emissionszertifikaten im Ausland konnte die Schweiz ihre Klimaschutzziele knapp erfüllen. Die Schweiz hat sich nun neue Klimaziele gesetzt und will auch mit Rücksicht auf zukünftige Generationen die endlichen fossilen Ressourcen schonen. Dabei wird neben Spar- und Effizienzmassnahmen klimafreundlicher Strom zum Ersatz fossiler Energieträger eine wichtige Rolle spielen. Der zuverlässige und CO2-arme Atomstrom könnte dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. 

Die weltweite Entwicklung zeigt, dass angesichts der beträchtlichen negativen Auswirkungen fossiler Energie auf die Gesundheit von Mensch, Natur und Klima viele Länder auf Kernenergie setzen. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.