Stilllegung des KKW Mühleberg

Ist es schwierig, ein KKW zurück zu bauen? Philipp Hänggi, Leiter  "Nuklear" bei BKW, gibt Auskunft.

Herr Hänggi, Sie leiten die Geschäftseinheit „Nuklear“ bei der BKW.  Mit dem Kernkraftwerk Mühleberg wird in der Schweiz erstmals ein Kernkraftwerk stillgelegt. Wo liegen die Herausforderungen bei diesem neuen Prozess, für den Sie verantwortlich sind?
Weltweit gibt es 150 Reaktoren, die bereits stillgelegt sind oder momentan zurückgebaut werden. Die BKW hat verschiedene Kernkraftwerke besucht, welche sich im Rückbau befinden, insbesondere in Deutschland. Wir kennen somit die technischen und planerischen Herausforderungen und bauen auf die Erfahrungen aus dem Ausland. In der Schweiz sind wir aber die ersten, die einen Leistungsreaktor stilllegen. Damit ist die Stilllegung nicht nur für uns, sondern auch für die Behörden neu. Es geht also erstens darum, die technischen Erfahrungen aus dem Ausland auf unser Kraftwerk zu adaptieren. Zweitens sind die verfahrenstechnischen Fragen, Freigabeprozesse usw. zu klären. Aus unserer Sicht birgt Letzteres die grössten Herausforderungen.

Wie baut sich die BKW das Know-how für so ein Projekt auf? Wer arbeitet daran mit?
Die BKW verfügt über qualifiziertes Personal. Im Stilllegungsprojekt sind verschiedene Mitarbeitende tätig, die bereits bei der Stilllegung von anderen Kernkraftwerken mitgearbeitet haben. Diese bringen dadurch sehr viel Know-how mit. Auch das Fachwissen der Mitarbeitenden aus dem Kernkraftwerk Mühleberg ist für die Stilllegung und den Rückbau sehr wertvoll. Sie werden einen Grossteil der Arbeiten ausführen, verfügen sie doch über ein grosses Know-how (beispielsweise im Strahlenschutz, bei Sicherheitsanalysen usw.) und kennen aufgrund jahrelanger Erfahrung die Anlage bestens, was von grosser Bedeutung ist. Für hochspezialisierte Arbeiten und Spezialarbeiten wird die BKW sicher auch mit externen Experten zusammenarbeiten, z.B. beim Zerschneiden von Grosskomponenten wie dem Reaktordruckbehälter. Für solche komplexen Arbeiten mit spezifischem Gerät lohnt es sich nicht, eigenes Know-how aufzubauen. Die Stilllegung und der Rückbau dauern insgesamt 15 Jahre. Über die ganze Zeitdauer werden dafür im Schnitt 200 Personen arbeiten. Am Anfang mehr als am Ende.

Was werden die Stilllegung des KKW und die Entsorgung der Abfälle kosten?
Gemäss der Kostenstudie 2011 belaufen sich die Kosten für den Nachbetrieb und die Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg auf rund 800 Millionen Franken und diejenigen für die gesamte Entsorgung (bis über 2100 hinaus) auf 1,3 Milliarden Franken, somit betragen die Gesamtkosten 2,1 Milliarden Franken. Die Kostenstudie wird alle 5 Jahre neu berechnet. Die neue Kostenstudie liegt Ende 2016 vor.

Ist das benötigte Geld überhaupt vorhanden?
Ja. Die BKW kommt vollumfänglich für die Kosten für den Nachbetrieb, die Stilllegung und die Entsorgung des Kernkraftwerks Mühleberg auf. Die BKW hat für den Nachbetrieb, die Stilllegung und das Change Management Rückstellungen in der Höhe von 861 Millionen Franken gebildet. Auch die Rückstellungsbildung für die Entsorgung ist auf Kurs.

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