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Klimaschutz

Von 1900 bis 2000 vervierfachte sich die Weltbevölkerung von 1,6 auf 6,1 Milliarden Menschen. Der globale Primärenergiebedarf stieg dabei jedoch um mehr als das Zehnfache.

1 4 2a Welt Energiebedarf 1971 2015 2040 d
Der weltweite Verbrauch fossiler Ressourcen wächst ungebremst.

Damit stieg auch der mit dem Verbrennen fossiler Energieträger verbundene Ausstoss von Treibhausgasen rasant an. Dies ist vor allem der Stromerzeugung in Kohle- und Gaskraftwerken zuzuschreiben.

1 4 2b CO2 Emissionen nach Sektor IEA2017 d
Die klimaschädigenden Treibhausgasemissionen sind massiv gestiegen.

Vor dem Hintergrund der Klimaproblematik und des voraussichtlich weiterwachsenden Energiebedarfs der Welt suchen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nach Wegen, die weitere Zunahme der Treibhausgasemissionen zu mässigen. Nicht-fossile, klimafreundliche Energietechnologien wie die Kernenergie und erneuerbare Energien sind heute nötiger denn je.

Wasserkraft und Kernenergie an der Spitze

In der Schweiz erzeugen Wasserkraft, Kern- und Windenergie pro Kilowattstunde die geringsten Mengen an Treibhausgasen. Das belegen Forschungsergebnisse des zum ETH-Bereich gehörenden Paul Scherrer Instituts (PSI). Es berechnet und vergleicht seit Jahren die Umwelt- und Gesundheitsbelastungen der verschiedenen Stromerzeugungstechnologien (siehe Randspalte). Die Wissenschaftler betrachten dabei die gesamte Energiekette «von der Wiege bis zur Bahre» – bei der Kernenergie also von der Uranmine über den Rückbau der Kernkraftwerke bis zum Bau des Tiefenlagers für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle.

1 4 2c Grafik Treibhausgasemissionen d

Die ganzheitliche Methode des PSI zeigt, wie gering die Treibhausgasemissionen in der nuklearen Kette im Verhältnis zum erzeugten Strom sind. Mit 10 bis 20 Gramm CO₂-Äquivalent pro Kilowattstunde ist Kernenergie ausgesprochen klimafreundlich.

Verbesserte CO₂-Bilanz

Die CO₂-Bilanz der Kernenergie hängt wesentlich davon ab, mit welcher Methode der Brennstoff Uran angereichert wird und woher der Strom dazu stammt. Denn bei der Anreicherung wird am meisten Energie aufgewendet. Details zu den Energieaufwänden in der nuklearen Kette finden Sie hier.

Die Schweizer Kernkraftwerke setzen seit geraumer Zeit Uran ein, das mit modernen Zentrifugen oder über das sogenannte Blending angereichert wurde. Wird der Strom für diese Zentrifugen nuklear oder erneuerbar erzeugt, fällt die CO₂-Bilanz besonders positiv aus.

Die sehr tiefen CO₂-Emissionen der Kernenergie belegen auch ihre hohe Energieeffizienz.

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Schmelzende Gletscher durch Klimawandel: die Kernenergie ist Teil der Lösung (Bild: RB)

Grosses Potenzial für die Welt

Allein die Stromproduktion verursacht heute im globalen Durchschnitt 40 Prozent der Treibhausgasemissionen. Sie ist zu einem zentralen Problem der Klimapolitik geworden. Im Vergleich dazu schneidet die Schweizer Stromproduktion dank Wasserkraft und Kernenergie sehr gut ab. Sie ist nur für den geringen Anteil von zwei bis drei Prozent an den gesamten heimischen Treibhausgasemissionen verantwortlich – ein Spitzenwert im globalen Vergleich. Das CO₂-Reduktions-Potenzial ist beim Schweizer Verkehr und bei den Heizungen sehr viel grösser. Sie erzeugen zusammen rund zwei Drittel der Schweizer Emissionen.

Die Kernenergie deckt rund zehn Prozent des globalen Strombedarfs und die Wasserkraft rund 16 Prozent.  Abfälle, Biomasse, Geothermie, Wind und Sonne kommen zusammengenommen nochmals auf sieben Prozent. Insgesamt wird also auf der Erde nur rund ein Drittel des Stroms CO₂-arm produziert. Die restlichen zwei Drittel des Stroms kommen aus Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken. Der Ausbau klimafreundlicher Kernenergie und erneuerbarer Energien kann deshalb mithelfen, den CO₂-Ausstoss deutlich zu vermindern.

1 4 2d Grafik Globale Stromproduktion 2015 d
Die weltweite Stromproduktion ist mehrheitlich fossil und trägt entscheidend zum Klimawandel bei.

Klimafreundlicher Schweizer Strommix

Anders als andere europäische Länder verfügt die Schweiz – wie das kernenergiefreundliche Frankreich – dank Wasserkraft und Kernenergie schon heute über einen sehr klimafreundlichen Strommix.

Würden wir den in der Schweiz erzeugten Atomstrom in Gaskombikraftwerken erzeugen, würde die Atmosphäre mit so viel CO₂ belastet, wie der ganze Autoverkehr in der Schweiz verursacht: über zehn Millionen Tonnen pro Jahr, rund ein Fünftel der heutigen Schweizer Treibhausgasemissionen.                                                                               

Im kernkraftfreien Österreich wird rund ein Drittel des Stroms aus Kohle, Erdöl und Erdgas erzeugt, in Dänemark sind es mehr als zwei Drittel, in Italien über 80 Prozent und in Polen gar 98 Prozent. Das energiepolitisch «grün» orientierte Deutschland erzeugt mehr als ein Drittel des Stroms fossil. Dieser Wert ist im letzten Jahrzehnt trotz massivem Zubau von Wind- und Solarkraftwerken nur leicht gesunken.

Klimaziele in Gefahr

Die mittlere Temperatur der Schweiz ist seit Beginn der Industrialisierung um ein Drittel mehr gestiegen als auf den Landoberflächen der Nordhalbkugel. Der Klimawandel wirkt sich hierzulande stärker aus als im globalen Durchschnitt. Die Treibhausgasreduktion liegt deshalb in unserem besonderen Interesse.

Die Schweiz tut sich jedoch nicht ganz leicht, ihre im CO₂-Gesetz und über internationale Vereinbarungen definierten Reduktionsziele zu erreichen – trotz der im Jahr 2005 beschlossenen CO₂-Abgabe auf fossile Brennstoffe sowie der Einführung eines freiwilligen Klimarappens auf Benzin und Diesel, der mit Inkrafttreten des revidierten CO₂-Gesetzes wieder abgeschafft wurde. Es ist der Schweiz zwar gelungen, zwischen 1990 und 2016 den Verbrauch von Brennstoffen zum Heizen um 23% zu reduzieren. Der Verbrauch von Treibstoffen für den Verkehr ist im selben Zeitraum aber zuerst  leicht gestiegen, hat um 2008 ein Maximum erreicht und ist erst seit ein paar Jahren leicht rückläufig. Er liegt derzeit etwa auf dem Niveau von 1990.

Die Schweizer Klimapolitik sieht aktuell vor, die Treibhausgas-Emissionen im Inland bis 2020 um mindestens 20% gegenüber 1990 senken. Die CO₂-Abgabe spielt dabei eine zentrale Rolle. Aber auch der Emissionshandel wird genutzt, um Emissionen im Ausland kostengünstig zu kompensieren, so zum Beispiel für die Emissionen aus dem Verkehr.

Letztlich wird neben Spar- und Effizienzmassnahmen in den Sektoren Gebäude, Industrie und Landwirtschaft auch klimafreundlicher Strom zum Ersatz fossiler Energieträger eine wichtige Rolle spielen. Der zuverlässige und CO₂-arme Atomstrom könnte dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Die weltweite Entwicklung zeigt, dass angesichts der verheerenden Auswirkungen fossiler Energie auf die Gesundheit von Mensch, Natur und Klima viele Länder auf Kernenergie setzen.

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