Steigender Verbrauch – sinkende Produktion

Die Schweizer Stromverbundunternehmen befürchten, dass es bereits ab 2012 im Winter zu Versorgungsenpässen kommen kann. Der Bundesrat rechtnet damit, dass zwischen 2018 und 2020 eine Stromversorgungslücke eintritt, wenn nicht in nächster Zeit neue Kraftwerke gebaut werden. Das ist eine sehr ernste Herausforderung. Denn die Elektrizität spielt in unserer Welt eine immer grössere Rolle.

Elektrizität ist die Schlüsselenergie – heute und in Zukunft.

Damit die Versorgungssicherheit beim Strom auch in den kommenden Jahrzehnten gewährleistet ist, muss die Schweiz etwas unternehmen: Ende Februar 2007 hat der Bundesrat seine Energiepolitik vorgestellt und sich dabei neben der weiteren Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien klar für den Bau neuer Kernkraftwerke (KKW) ausgesprochen. Denn nur so kann die Schweiz die Forderungen nach Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut bringen.

Verzichtet die Schweiz auf neue Kraftwerke, fehlt bald die Hälfte des benötigten Stroms. (Bild: Swissgrid)

Für mehr Informationen zum Schweizer Strommix klicken Sie hier.

Informationen zur Energiepolitik des Bundesrats finden Sie hier.

Drei Gründe für Kernenergie

In seiner Energiestrategie spricht sich der Bundesrat neben Energieeffizienzmassnahmen und der Förderung der erneuerbaren Energien klar für den Bau von Atomkraftwerken (AKW) aus. Die Gründe für das Festhalten des Bundesrates an der Kernenergie bzw. Atomenergie sind offensichtlich:

  • Hinter der heutigen Schweizer Stromversorgung steckt ein ausgeklügeltes System, das auf der intelligenten Kombination von Wasserkraft und Kernenergie beruht. Dieser Strommix, heute ergänzt um die neuen erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne, stellt sicher, dass jederzeit genügend Strom im Netz ist und die Lichter nicht ausgehen.
    Die Nutzung der Kernenergie bedeutet Versorgungssicherheit.
  • Die Atomenergie ist eine umweltschonende Energiequelle insbesondere dank den geringen CO2-Emissionen. Im Verbund mit der Wasserkraft und ergänzt um die neuen erneuerbaren Energien ermöglicht sie die Steigerung der Energieeffizienz und das Einsparen von Erdöl und Erdgas.
    Die Nutzung der Kernenergie bedeutet Schonung von Umwelt und Klima.
  • Kernenergie gehört heute zu den kostengünstigsten Arten der Stromproduktion und die Strompreise bleiben auch in Zukunft berechenbar.
    Die Nutzung der Kernenergie bedeutet Sicherheit für Wirtschaft und Arbeitsplätze.
Kernenergie ist sauber und benötigt keine riesigen Materialtransporte wie die fossilen Energien. (Bild: KKG)

Der wesentliche Nachteil der Atomenergie liegt in den historischen Vorbehalten und politischen Widerständen gegen diese Technologie. Diese gilt es zu überwinden, will die Schweiz weiterhin auf diese günstige Option im Strommix setzen.

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Importe sind keine Lösung

Versorgungssicherheit bedeutet, dass jederzeit genügend Kraftwerke und Leitungen betriebsbereit vorhanden sind, um den Strombedarf von Bevölkerung und Wirtschaft zu decken. Ausserdem muss zusätzlich eine Reserve vorhanden sein, um den Ausfall eines grossen Kraftwerks auffangen zu können.

Importe aus dem Ausland sind keine Lösung: Dies würde den Strom hierzulande spürbar verteuern und wäre mit grossen Unsicherheiten verbunden. Strom wird in ganz Europa zusehends knapper, weshalb es fraglich ist, ob die benötigten Mengen in Zukunft bezogen werden können. Die Schweiz würde sich in eine Abhängigkeit begeben, die sowohl aus politischer wie auch aus wirtschaftlicher Sicht riskant wäre. Schliesslich bestehen auch technische Hindernisse: Begrenzte Transportkapazitäten schränken schon heute die Importmöglichkeiten ein und mit längeren Übertragungswegen steigt das Risiko technischer Strörungen.

Gegen Stromimporte im grossen Umfang sprechen auch die Naturgesetze: Je länger der Transportweg, desto grösser sind die Stromverluste bei der Übertragung. Der haushälterische Umgang mit Strom verlangt kurze Versorgungswege.

Und schliesslich: Kernkraftwerke im eigenen Land sind keine Last, sondern bedeuten Investitionen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, und dies bei geringen Umweltbelastungen und sehr kleinem Landbedarf.

Importe sind keine Lösung: Strom sollte möglichst dort produziert werden, wo er benötigt wird.
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Verträge mit Frankreich laufen aus

Gegenwärtig kann die Schweiz aufgrund von langfristigen Beteiligungsverträgen mit Frankreich zur Deckung von Produktionslücken – vor allem im Winterhalbjahr – Strom aus den französischen Atomkraftwerken beziehen. Diese Verträge laufen ab 2018 schrittweise aus.

Strom für die Schweizer Produktionslücke im Winter: Kernkraftwerk Cattenom in Lothringen. (Bild: Stefan Kühn)

Eine Erneuerung dieser Vereinbarungen dürfte äusserst schwierig sein, da die EU im Zuge der Strommarktliberalisierung die Wettbewerbsregeln geändert hat. Neu sind solche Langfristverträge, die der Schweiz den vorrangigen Zugang zu den grenzüberschreitenden Stromleitungen einräumen, nicht mehr zulässig.

Bereits heute werden Auktionen für die Durchleitungsrechte in grenzüberschreitenden Stromleitungen durchgeführt. Wenn die Schweiz von Stromimporten abhängig wird, bedeutet dies: Die Schweiz wäre gezwungen, jederzeit den höchsten Auktionspreis zu bezahlen, um den Strom zu erhalten.

Die drohende Versorgungslücke beschränkt sich nicht auf die Schweiz, sondern ist in ganz Europa absehbar. Strom wird überall knapp – und damit wohl auch teurer.

Grenzschliessung: Wird Strom knapp, schaut jedes Land zunächst für sich.

Es liegt daher im fundamentalen Interesse der Schweiz, den Strom im eigenen Land zu produzieren und sich nicht ohne Not in die Abhängigkeit von anderen zu begeben. Denn wird der Strom in Europa knapp, wird jedes Land zuerst für sich selbst schauen.

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Der Stromverbrauch steigt ...

Steigender Verbrauch, sinkende Produktion – so sieht die Stromzukunft der Schweiz aus. In den vergangenen 20 Jahren hat die Stromnachfrage trotz der Förderung effizienter Stromanwendungen um durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr zugenommen – zuvor waren es sogar drei bis vier Prozent jährlich.

Zukunftsenergie Strom: Neuere Anwendungen wie Spielkonsolen oder Set-Top-Boxen tragen dazu bei, dass der Stromkonsum ständig steigt. Bislang konnten auch die technischen Effizienzfortschritte diese Entwicklung nicht aufhalten

Auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird der Strombedarf der Schweiz nicht geringer werden. Ganz im Gegenteil: Die Wissenschafter der ETH Zürich fordern eine zunehmende Elektrifizierung der Schweiz, um die Energieeffizienz weiter zu erhöhen und die Klimaziele zu erreichen.

In ihrer am 25. Februar 2008 publizierten Energiestrategie hat die ETH Zürich ihr Konzept der «2000-Watt-Gesellschaft» überarbeitet. Ziel ist neu die «eine-Tonne-CO2-Gesellschaft». Dies bedeutet, dass der Stromverbrauch aus CO2-armen Quellen in den kommenden Jahrzehnten deutlich ansteigen sollte, um im Gegenzug den Verbrauch von Erdöl und Erdgas ohne Wohlstandsverluste drastisch senken zu können.

Die Energiestrategie für die ETH Zürich finden Sie hier.

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... die Stromproduktion sinkt

Dem steigenden Stromverbrauch der Schweiz steht eine sinkende Stromproduktion gegenüber. Wir nähern uns dem Punkt, wo die Stromversorgung der Schweiz nicht mehr gesichert ist. Diese Versorgungslücke entsteht durch

  • die altersbedingte Abschaltung der dienstältesten Kernkraftwerke Beznau-1 und -2 und Mühleberg ab dem Jahr 2020
  • das Auslaufen der heutigen Stromimportverträge mit Frankreich im gleichen Zeitraum
  • den zu erwartenden Mehrverbrauch beim Strom, nicht zuletzt, um die Klimaziele zu erreichen

Unter der Annahme, dass der Schweizer Stromverbrauch in den kommenden Jahrzehnten nur noch jährlich um 0,5% ansteigt (heute sind es jährlich rund 2%), dürfte die bis 2035 zu erwartende Stromlücke mindestens 25–30 Milliarden Kilowattstunden erreichen. Das ist fast die Hälfte der heutigen Schweizer Stromproduktion.

Absehbare Stromversorgungslücke bis ins Jahr 2035

Mehr Informationen zum künftigen Stromverbrauch finden Sie in der «Vorschau 2006» des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE). Klicken Sie bitte hier.

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Der Vorschlag der Stromwirtschaft: «Sowohl als auch»

Zum Abwenden der Versorgungslücke sind die Stromverbundunternehmen bereit, grosse Mittel in neue Stromproduktionsanlagen zu investieren. Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien planen sie als tragende Säule auch zwei bis drei neue Kernkraftwerke. Im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erzeugen diese den meisten Strom. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Projekten finden Sie hier und hier.

Die neuen erneuerbaren Energien Wind, Sonne und Biomasse sind willkommen, können jedoch die 40 Prozent Strom aus Kernenergie nicht ersetzen, nur ergänzen. Sie liefern heute deutlich weniger als 1 Prozent des Schweizer Stroms.

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Förderung der erneuerbaren Energien

Das Eidgenössische Parlament hat im Frühjahr 2007 beschlossen, die neuen erneuerbaren Energien zusätzlich zu fördern. Allein in den kommenden zehn Jahren werden mehr als 3 Milliarden Franken bereitgestellt, die über einen Zuschlag auf den Stromrechnungen finanziert werden.

Trotz dieser massiven Subventionierung werden die erneuerbaren Energien die drohende Stromlücke bei weitem nicht schliessen.

Trotz Förderung durch Abgaben der Stromkonsumenten: Sonne und Wind können 40% Atomstrom bei weitem nicht ersetzen. (Bild: BKW)

Dazu kommt, dass Wind und Sonne nicht immer zur Verfügung stehen. Der Kühlschrank und der Computer laufen aber weiter, auch wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst. Das bedeutet, dass für jedes Kilowatt Leistung in Wind- und Solaranlagen fast ein Kilowatt Reserve-Leistung in herkömmlichen Kraftwerken bereitgestellt werden muss.

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2000-Watt-Gesellschaft: keine Lösung für die Stromlücke

Wenn Energiefragen diskutiert werden, fällt früher oder später der Begriff der «2000-Watt-Gesellschaft». Dieser Begriff wurde vor einigen Jahren an der ETH Zürich geprägt. Er bezeichnet eine energiepolitische Vision, die davon ausgeht, dass jeder Mensch ohne Verzicht auf Lebensqualität mit einem Energieverbrauch von 2000 Watt Dauerleistung (durchschnittlicher Verbrauch rund um Uhr während des ganzen Jahres) auskommen kann.

Gemäss den «Energieperspektiven 2035» des Bundes kann dieses Ziel nur mit massiven Eingriffen in unsere Lebensweise erreicht werden. Denn heute ist die Schweiz eine Gesellschaft, in der jeder Einwohner rund 6000 Watt für sich beansprucht – und dazu kommt noch die «graue» Energie, die bei der Herstellung der zahlreichen Produkte eingesetzt wurde, die wir aus dem Ausland importieren.

Ein genauer Blick auf die «2000-Watt-Gesellschaft» zeigt, dass so zwar viel Erdöl und Erdgas eingespart würde, aber kaum Strom. Das heisst: Auch der Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft schliesst die absehbare Stromlücke nicht.

Szenarien der «Enegieperspektiven 2035» des Bundes

Die Elektrizität spielt eine immer grössere Rolle. Elektrizität ist die Schlüsselenergie – heute und in Zukunft.