Atomenergie in der internationalen Energiepolitik

In den vergangenen Jahren ist immer deutlicher geworden, dass der Klimawandel eine Realität ist, vor der man nicht länger die Augen verschliessen kann. Konkrete Massnahmen sind dringend notwendig. In ihrem Bestreben, den CO2-Austoss zu begrenzen, setzten immer mehr Nationen auf die Kernenergie. Weltweit befinden sich derzeit 52 Atomkraftwerke (AKW) im Bau und zahlreiche weitere sind in Planung.

Gute Gründe für Kernenergie

Die Atomenergie kann eine Schlüsselrolle einnehmen, wenn es darum geht, den Verbrauch fossiler Energieträger zu reduzieren (siehe Kapitel Klimaschutz). Doch neben ökologischen sprechen auch wirtschaftliche und geopolitische Gründe für diese Technologie: Kernkraftwerke (KKW) liefern zuverlässig, vergleichsweise günstig und preisstabil grosse Mengen Strom. Ausserdem werden nur kleine Mengen Kernbrennstoff (Uran) benötigt. Das macht es viel einfacher als bei Kohle, Öl und Gas, Vorräte für längere Zeiträume anzulegen. Der Platzbedarf dafür ist gering, grosse externe Lagerkapazitäten sind keine nötig. Kommt hinzu, dass die Uranvorräte weltweit verteilt sind und sich einige der bedeutendsten Vorkommen in politisch stabilen Ländern wie Australien oder Kanada befinden. All dies führt zu einer hohen Versorgungssicherheit bei der Kernenergie. Vertiefte Informationen zum Thema Uran erhalten Sie hier.

Das EU-Parlament hat sich für den Ausbau der Kernenergie entschieden. Diese Massnahme wird als nötig erachtet, um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen und die Versorgungssicherheit Europas in Zukunft zu gewährleisten. (Bild: Europäisches Parlament)
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Europäisches Parlament: Kernenergie unentbehrlich

Das Europäische Parlament hat am 24. Oktober 2007 mit grosser Mehrheit einen Bericht angenommen, der bestätigt, dass die Kernenergie für die Versorgungssicherheit der EU und den Klimaschutz unverzichtbar ist (mehr Informationen). Der Bericht hält fest, dass die Kernenergie die derzeit grösste kohlenstoffarme Energiequelle in Europa ist und betont ihren potenziellen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels. «Bei einem Ausstieg aus der Kernenergie sind die Ziele in Bezug auf die Verringerung der Treibhausgasemissionen und die Bekämpfung des Klimawandels nicht zu erreichen», heisst es dort weiter. Konsequenterweise folgte Anfang Februar 2009 mit grosser Mehrheit ein parlamentarischer Entscheid zum weiteren Ausbau der Kernenergie „auf dem höchsten technisch erreichbaren Sicherheitsniveau“. Teil der von den Abgeordneten verabschiedeten Resolution war auch die Forderung an die Europäische Kommission, „einen konkreten Fahrplan für Investitionen in die Kernenergie“ zu erstellen.

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EU: Einzelne Staaten machen Dampf

Während in Finnland (Olkiluoto) und Frankreich (Flamanville) bereits Reaktoren der neusten Generation gebaut werden, bereiten andere Länder im Einklang mit der Position des Europäischen Parlaments die Rückkehr zur Kernenergie vor. Anfang 2009 hat Schweden den „Ausstieg aus dem Ausstieg“ beschlossen, wenige Monate später folgte auch Italien. Konkreter ist man bereits in Grossbritannien geworden, wo die Suche nach Standorten für neue Kernkraftwerke bereits begonnen hat. Im Bau befinden sind auch Kernkraftwerke in Bulgarien in der Slowakei und in Russland. Länder wie Litauen, Polen und Rumänien haben ebenfalls Pläne für Neubauten, die allerdings unterschiedlich weit fortgeschritten sind. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dass sich in Europa in den kommenden Jahren einiges tun wird. Weiterhin am Atomausstieg festhalten will hingegen Deutschland, wobei sich die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel zumindest für eine Verlängerung der Laufzeiten ausgesprochen hat.

Weit fortgeschritten: In Olkiluoto wird derzeit der weltweit erste Reaktor vom Typ EPR gebaut. Voraussichtlich 2012 wird das Kernkraftwerk ans Netz gehen. (Bild: TVO/Hannu Huovila)
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USA: Barack Obama setzt auf Kernenergie

Auch wenn derzeit in den USA noch keine neuen Kernkraftwerke im Bau sind, wird das Land weiterhin an der Kernenergie festhalten. In den kommenden Jahren müssen zahlreiche bestehende Reaktoren ersetzt werden und in den vergangenen Jahren wurde mit der Planung von nicht weniger als 28 neuen Anlagen begonnen. Präsident Barack Obama hat mehrfach darauf hingewiesen, dass er die Kernenergie im Kampf gegen den Klimawandel für unverzichtbar hält.

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Fernost: Ausbau im grossen Stil geht zügig voran

Die umfassendsten Tätigkeiten sind zweifellos in China zu verzeichnen. Im Reich der Mitte sind derzeit mindestens 16 Kernkraftwerke im Bau und über 30 weitere in Planung. Doch auch andere asiatische Staaten hegen ambitionierte Pläne, was ihren Kernkraftwerkspark anbelangt: Indien baut sechs Kernkraftwerke und plant weitere acht, Südkorea baut fünf und plant vier, in Japan befinden sich zwar nur zwei im Bau doch schon bald dürften die Arbeiten an den ersten von zwölf weiteren geplanten Reaktoren beginnen. In Taiwan werden demnächst zwei neue Reaktoren ans Netz gehen und in Indonesien wird voraussichtlich 2011 mit dem Bau zweier neuer Kernkraftwerke begonnen.

Beinahe abgeschlossen: Die Bauarbeiten an den beiden Druckwasserreaktoren im südindischen Kudankulam. Bis 2010 sollten beide Reaktoren am Netz sein. (Bild: IAEA/Petr Pavlicek)
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Weltklimarat: CO2-Ausstoss senken mit Kernenergie

Der Weltklimarat (IPCC: Intergovernmental Panel on Climate Change) anerkennt die Kernenergie als eines der wirksamen Mittel zur Reduktion der CO2-Emissionen. Der jüngste Bericht des IPCC prüft verschiedene Möglichkeiten zur Verringerung der CO2-Emissionen. Das Fazit des IPCC ist klar: Die Kernenergie ist ein leistungsfähiges und kostengünstiges Mittel, um die CO2-Emissionen zu senken.